Kritik an Impfzentren: Apotheker kontert Kuck

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Berlin - Die Kritik von Noweda-Chef Michael Kuck an Impfzentren hat Apotheker Dr. Christian Joachim Fehske zu einer Klarstellung bewogen. Der Inhaber der internationalen Rathaus-Apotheke in Hagen weist in einem Schreiben an Kuck auf die Bedeutung des Impfzentrums in seiner Stadt hin. Denn bei der Verimpfung in niedergelassenen Arztpraxen habe man mit Herausforderungen zu kämpfen.

Kuck unterstützt die Corona-Impfung bei niedergelassenen Ärzt:innen. „Impfzentren sind überflüssig“, sagte er in einem Video des Wirtschaftsportals DUP (Deutsche Unternehmer Plattform). Er wolle die „Impfstoffe auf die Hausärzte umleiten“. Dort sei die Schwelle, sich impfen zu lassen, niedriger und das Vertrauen höher. Die „teure zusätzliche Infrastruktur“ der Impfzentren hätte gar nicht gebraucht hätte, „wenn man uns denn gefragt hätte“. Die Apotheken seien erst „Ende Februar, Anfang März“ in die Impfkampagne eingebunden worden. Damit die Impfkampagne weiter Fahrt aufnimmt, plädiert Kuck dafür, dass auch Apotheker impfen sollten. Deutschlandweit hätten sie rund drei Millionen Kundenkontakte am Tag.

Fehske pflichtet Kuck bei, dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Impfzentren zunächst ähnlich kritisch gegenüber gestanden zu haben. Aber: „Die Lage ist nicht in allen Städten gleich“, betont der Apotheker. Die Organisation des Impfzentrums in Hagen sei sehr gut – „ein Segen“ – während die Beteiligten bei der Verimpfung in Praxen mit Herausforderungen kämpften, deren Ursachen niemand genau auf den Punkt bringen könne. Die Stadt belege bei der Impfgeschwindigkeit unter den niedergelassenen Ärzt:innen wiederholt den letzten Platz.

Ein „Fehler im System“ sei die Arztdichte. Sie habe einen entscheidenden Einfluss auf die aktuelle Impfstoff-Verteilung. „Allerdings ist diese mit der Inzidenz und dem Infektions-Risiko möglicherweise nicht direkt proportional assoziiert.“ Nicht in allen Impfzentren platzten reihenweise Termine und der Impfstoff herum und werde nicht verimpft.

„Selbst wenn Impfungen in Impfzentren teurer sein mögen, als sie es in niedergelassenen Arztpraxen der Fall wäre: Ist das nicht ein selbst-limitierendes, vorübergehendes und verschmerzbares Problem?“, so Fehske. Aus seiner Sicht ist die Geschwindigkeitsoptimierung beim Impfen letztlich „etwas höher zu priorisieren als Kostenoptimierung“. Gemeinsame Ziele seien die „Herdenimmunität“ sowie Öffnungsszenarien oder die Entlastung von Intensivstationen.

Die grundsätzliche Kritik von Kuck an den Impfzentren könne für viele andere Städte zutreffend sein. Für Hagen zeige sich aktuell aber, dass es für alle besser wäre, wenn das Land lieber mehr Impfstoff für das Impfzentrum zur Verfügung stellen würde, weil dort effizient geimpft werde.

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