Urteil: Kinderpornos rechtfertigen Approbationsentzug

, Uhr

Außerdem sei er nicht als unwürdig anzusehen – neben der Unzuverlässigkeit der zweite entscheidende Sachverhalt, der einen Approbationsentzug rechtfertigt. Vielmehr sei eine umfassende Beurteilung der Einzelfallumstände und eine Betrachtung seines Nachtatverhaltens geboten: Er habe sich zu der Zeit in einer tiefen Lebenskrise mit depressiven Episoden befunden, nachdem sich seine langjährige Lebensgefährtin von ihm getrennt habe und ausgezogen sei. Daraufhin sei er völlig verzweifelt gewesen und mit der unerwarteten Einsamkeit im privaten Bereich vorübergehend nicht zurechtgekommen. Deshalb habe er Zerstreuung im Internet gesucht.

Nach der Tat habe er außerdem psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen und die volle Verantwortung für sein Handeln übernommen. Das zeige sich insbesondere darin, dass er es nicht auf eine Hauptverhandlung habe ankommen lassen, bei der seine persönliche Lebenssituation und eine anzunehmende zumindest eingeschränkte Schuldfähigkeit sich hätten auswirken können. Und schließlich sei auch die Entscheidung der Kammer zu berücksichtigen, die von der Einleitung eines förmlichen berufsrechtlichen Verfahrens abgesehen habe, obwohl sie über den Strafbefehl im Bilde war.

Doch davon ließ sich die Aufsicht nicht überzeugen. Anfang September erhielt er die Aufforderung, innerhalb von vier Wochen das Original seiner Approbationsurkunde sowie sämtliche in seinem Besitz befindliche Ausfertigungen, Zweitschriften und beglaubigte Kopien zu übermitteln. Komme er dem nicht nach, müsse er 4000 Euro Strafe zahlen. In der beiliegenden Begründung belehrte die Bezirksregierung den Apotheker, dass es auf die Frage einer möglichen Unzuverlässigkeit gar nicht ankomme, da er mit seiner Straftat bereits seine Unwürdigkeit unter Beweis gestellt habe: Die verlange ein schwerwiegendes Fehlverhalten, welches seine weitere Berufsausübung als untragbar erscheinen lasse.

Dabei sei das Delikt abgesehen vom konkreten Strafrahmen schon vom Deliktscharakter, aber auch in seiner spezifischen Prägung eine unentschuldbare und gravierende Straftat und damit als sehr schwerwiegendes Fehlverhalten nach diesen Maßstäben anzusehen. Die willentliche Beschaffung und der Konsum kinderpornographischen Materials stellen demnach ein Fehlverhalten dar, das mit dem Berufsbild und den allgemeinen Vorstellungen von der Persönlichkeit eines Apothekers schlechthin nicht zu vereinbaren sei und daher das Verdikt der Unwürdigkeit rechtfertige, so die Regierung.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App»
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen»
Verkauf auch ohne BfArM-Listung möglich
Ansturm auf Schnelltests: Ramschgefahr»
Millionen Stück ohne Sonderzulassung
Medice-Laientests: Resterampe bei Netto»
Beeinflussung von Metastasen
Palmfett, Rezeptoren und Krebs»
Strafrechtler Dr. Patrick Teubner
FAQ: Gefälschte Impfausweise»