Kostenlose Schnelltests: „Ich habe keine Zusage, dass gezahlt wird“

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Berlin -

Die kostenlosen „Bürgertests“ durch Apotheken erfordern nicht nur Organisationstalent. Die Inhaber gehen auch in Vorleistung. Julia Dickmann wartet momentan noch auf eine Bestätigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) über die Abrechnung der Schnelltests. „Noch habe ich keine Zusage, dass gezahlt wird“, sagt die Inhaberin der Adler-Apotheke Straelen. Andere Kollegen winken deshalb ab.

Seit etwa zwei Wochen testen Dickmann und ihr Team Selbstzahler in der Apotheke. Die Pharmazeutin nutzt eine Terminsoftware. „Das ist gut aufbereitet“, sagt sie. Auch die neuen kostenlosen Schnelltest wickelt sie darüber ab. Ohne die vorherige Erfahrung seien die Bürgertests nicht zu schaffen. „Wie soll man das so schnell aufbauen?“ Als am Sonntag die Nachricht gekommen sei, dass Apotheken kostenlos testen sollten, habe sie über die Abläufe keine Information erhalten. „Wir machen das ins Blaue hinein.“

Am Montag gingen die ersten Anrufe von Kunden ein, auch die Stadt rief an. „Ich habe meine Amtsapothekerin angerufen, die mir gegen Mittag Informationen geschickt hat.“ Bei der KV meldete sie sich online an. „Ich konnte mich dort erst gestern registrieren, weil ein Nachweis der Beauftragung verlangt wird.“ Sie habe die Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen, die allerdings nur eine Woche gültig ist, hochgeladen. „Für den Aufbau der dauerhaften Teststruktur sind die Kreise und kreisfreien Städte zuständig. Diese sollen daher nachfolgend die Beauftragung vornehmen. Die Beauftragung durch diese Allgemeinverfügung ist daher insoweit nur vorläufig“, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das Gesundheitsamt werde eine endgültige Beauftragung schicken, so Dickmann.

Die KV wiederum kündigte ein Einschreiben an. „Das kann dauern. Ich gehe damit natürlich ein gewisses Risiko ein.“ Deshalb zögerten andere Apotheker:innen noch, die Bürgertests anzubieten. Dickmann ist zuversichtlich: Sie hofft, dass die Abrechnung künftig über die Rechenzentren per Sonderbeleg läuft. „Das wäre für uns wünschenswert.“ Zudem hofft sie, eine Pauschale für andere Posten etwa Schutzkleidung zu erhalten. „Ich kann doch nicht alle möglichen Belege einreichen. Pro Testperson kommt viel zusammen. Das bläht sich sonst zu einem bürokratischen Alptraum auf.“

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