Höhle der Löwen

„Ich bin und bleibe Apotheker“

, Uhr
Berlin -

Der Auftritt in der „Höhle der Löwen“ machte ihn und seine Firma nicht nur um 95.000 Euro reicher, sondern auch um Einiges beschäftigter. Denn Pharmazeut Dr. Christopher Rupp hat für sein Start-Up „iCapio“ mit Carsten Maschmeyer nicht nur einen renommierten Investor gewonnen, sondern kann sich auch seit der Ausstrahlung der Gründershow-Folge vor Anfragen und Bestellungen kaum retten. Seinen Job beim Pharmaunternehmen Abbott möchte Rupp dennoch behalten.

Mehr als sieben Jahre Entwicklung und circa 50.000 Euro Eigenkapital steckte Rupp in seine Erfindung: einen auf den Raubfischfang spezialisierten Angelköder. Dennoch musste der Pharmazeut fast gezwungen werden, sich bei der Vox-Gründershow anzumelden. „Meine Freunde haben gesagt: ‚Du musst!‘“, lacht Rupp. Im Frühjahr schickte er die Bewerbung ab, rund 5000 Gründer taten es ihm gleich.

In mehreren Stufen wurde aussortiert, der Pharmazeut musste unter anderem eine Videopräsentation erstellen, um es in die Endauswahl zu schaffen. Sein finaler Pitch stand erst zwei Tage vor der Aufzeichnung der Sendung. Nervös war der Pharmazeut dennoch nicht. „Klar war ich ein wenig angespannt. Das lag vor allem daran, dass ich vorher noch nie vor Kameras aufgetreten bin. Als es losging und die ersten Schritte in der Löwenhöhle gemacht waren, war die Anspannung aber weitestgehend weg“, berichtet Rupp.

Gut eine Stunde dauerte der Auftritt vor den Löwen. Den finalen Schnitt sah der Gründer erst bei der TV-Ausstrahlung. „Es wird ja nur ein Bruchteil vom Geschehen im Fernsehen gezeigt. Es hätte gerne ein bisschen mehr sein dürfen. Laut dem bisher erhaltenen Feedback kann ich ganz zufrieden sein, wie es geschnitten wurde“, so Rupp, der sich die Sendung zusammen mit Freunden und Familie ansah.

Die Löwen zeigten sich begeistert von Rupps Erfindung. Maschmeyer, Ralf Dümmel und Georg Kofler wollten investieren. „Vor der Sendung ging meine Tendenz Richtung Herrn Kofler. Aber nach dem Pitch sagte mein Bauchgefühl Maschmeyer. Er hatte als erster Interesse angemeldet und hat auch schon viele Start-ups erfolgreich begleitet“, begründet Rupp seine Entscheidung. Anders als bei anderen Gründern blieb der Deal auch nach dem Ende der Sendung bestehen.

„Es ist alles unterschrieben. Ich bin froh, dass ich so einen starken Partner habe“, so der Pharmazeut. Die Zusammenarbeit mit Maschmeyer trägt bereits erste Früchte: „Es gab nach der TV-Ausstrahlung viele Anfragen. Wir erhalten auch noch eine Woche nach der Sendung permanent Bestellungen. Das übersteigt sämtliche Erwartungen.“ Auch das Sortiment wird erweitert, zudem plant Rupp in Zukunft den Sprung über den großen Teich.

„Noch liegt der Fokus zu 100 Prozent auf Deutschland, wir wollen hier unsere Erfahrungen sammeln. Doch die Amerikaner lieben das Angeln, dort gibt es bis zu 60 Millionen potenzielle Kunden. Und, soweit ich weiß, noch kein Produkt wie meines“, gibt der Familienvater Einblicke in seine Pläne. Dennoch wird Rupp seinen Hauptberuf nicht aufgeben. Er arbeitet in der Entwicklungsabteilung des Pharmakonzerns Abbott.

Damit hält Rupp die Familientradition nur zum Teil aufrecht. Denn wie sein Großvater, sein Vater und sein Bruder studierte er Pharmazie. Doch während die drei nacheinander die Löns-Apotheke im niedersächsischen Letter führten, zog es Rupp nicht an den HV-Tisch: „Früher dachte ich, dass ich mich mal mit einer Apotheke selbstständig machen würde. Doch im Praktischen Jahr merkte ich, dass mir das wissenschaftliche Arbeiten mehr liegt.“

Dass sein Start-Up „iCapio“ ein Nebenjob bleiben wird, machte Rupp den Investoren schon bei seinem Pitch klar. „Ich bin und bleibe Apotheker. In der Entwicklung zu arbeiten, ist mein Traumberuf“, stellt der Niedersachse klar. Warum er sich dennoch dafür entschied, den zeitraubenden Weg einer Unternehmensgründung ging?

„Ich dachte mir, wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer. Und ich wollte mich nicht irgendwann ärgern, dass ich ein Produkt kaufen muss, dass ich selber auf den Markt hätte bringen können.“ Jetzt sei er gespannt, was die Zukunft für ihn bereithalte.

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