Rabattverträge

Gonal F: Eiertanz um Reimporte

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Berlin -

Rabattverträge bringen Apotheker an den Rand der Verzweiflung. Besonders gravierend ist die Situation derzeit bei Follitropin Alpha. Das Originalpräparat Gonal F von Merck ist seit zwei Jahren nicht mehr patentgeschützt, doch statt Generikahersteller haben die Kassen Reimporteure unter Vertrag genommen. Das Resultat: Lieferprobleme, Verunsicherung und neue Angst vor Retaxationen.

Gonal F enthält Follitropin Alpha; seit zwei Jahren sind Biosimilars auf dem Markt verfügbar. So gibt es Bemfola von Gedeon Richter und Ovaleap von Teva. Die Preise der Nachahmer sind geringer als für der Reimporte.

Zahlreiche Kassen – große wie kleine – haben für Follitropin Alpha Rabattverträge geschlossen. Abgegeben werden muss daher Gonal F als Reimport, je nach Kasse von den Firmen ACA Müller, Abacus, Haemato oder Orifarm. Kohlpharma hat Verträge nur für Gonal F 900.

So hat beispielsweise die AOK Bremen mit Haemato, Orifarm, ACA Müller eine Abmachung, die Barmer mit ACA Müller und Orifarm sowie mit Kohl. Die AOK Nordwest und die Techniker Krankenkasse konnten sich nur mit Abacus einigen; der dänische Reimporteur mit Deutschlandsitz in Velden ist zwar mittlerweile die Nummer 7, in vielen Apotheken aber nach wie vor noch ein Exot.

Abacus ist auch Exklusivpartner für Puregon (Follitropin Beta, MSD Sharp & Dohme). Die Barmer und einige BKKen haben einen entsprechenden Vertrag mit dem Reimporteur abgeschlossen. Welchen Betrag die Krankenassen durch die Rabattverträge einsparen, ist nicht bekannt. Schaut man auf die Apothekeneinkaufspreise für Gonal F 450, liegt die Differenz zum Original je nach Reimporteur bei etwa 20 Euro. Die Biosimilars kosten etwa 40 Euro weniger.

Nicht selten machen die Verträge eine sofortige Versorgung in der Apotheke unmöglich. Auch wenn vermutlich Vertragsstrafen vereinbart sind, gelten Reimporte oft als Mangelware. Nur wenn im Ausland genügend Ware zur Verfügung steht, können die Unternehmen auch tatsächlich liefern. Aus diesem Grund sehen einige Firmen die Teilnahme auch skeptisch.

Was bleibt also den Apothekern wenn der rabattierte Reimport nicht lieferbar ist? Sie können von der Sonder-PZN 02567024 und dem Faktor 2 „Rabattbegünstigtes Arzneimittel nicht lieferbar“ Gebrauch machen. Patienten können dann das verordnete Präparat oder eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel erhalten. Apotheker müssen den Defekt auf der Verordnung inklusive Datum vermerken und zusätzlich dokumentieren. Was immer bleibt, ist das Risiko, retaxatiert zu werden.

Als eine der ersten Krankenkassen hatte die KKH 2012 Rabattverträge mit Reimporteuren geschlossen, damals waren patentgeschützte HIV-Medikamente betroffen. Später war die Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken (DAHKA) dagegen Sturm gelaufen, die Verträge wurden nicht neu aufgelegt. Andere Kassen hatten weniger Berührungsängste.

Allerdings gab es auch andere Wirkstoffe, bei denen Reimporteure zum Zuge kamen, das Immunsuppressivum Tacrolimus etwa – später durch Biosimilars abgelöst – oder Abilify (Aripiprazol). Allerdings ging es den Kassen hier oft darum, mit Unterstützung der Reimporteure die Zeit bis zum Patentablauf zu überbrücken.

Follitropin Alpha und Beta werden im Rahmen der künstlichen Befruchtung, der IVF eingesetzt. Sie sind als Pen auf dem Markt und werden gentechnologisch hergestellt. Frauen spritzen die Lösung zur Follikelstimulation während der IVF, um einen FSH-Mangel auszugleichen, oder in Kombination mit Lutropin Alpha, um einen Eisprung zu forcieren. Der Wirkstoff findet bei Männern zur Anregung der Spermatogenese Anwendung. Follitropin Alpha kann mit humanem Choriogonadotropin (hCG) kombiniert werden, wenn eine geringe Hormonkonzentration Ursache für die Unfruchtbarkeit des Mannes ist.

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