Krankenhauspharmazie

Goldene Zeiten für Klinikapotheken Silvia Meixner, 16.05.2018 09:01 Uhr

Berlin - Professor Dr. Frank Dörje, neuer Präsident des Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), freut sich über die neue schnelle Bahnverbindung München-Berlin. Er steigt in Erlangen zu, dann sind es noch drei Stunden Zugfahrt in die Hauptstadt. Seit 4. Mai ist er im Amt – hier sind seine Pläne.

Seinen Hauptjob als Leiter der Klinikapotheke des Universitätsklinikums Erlangen führt er weiter, die Präsidententätigkeit ist ein Ehrenamt. Eines, das es in sich hat und einmal in der Woche seine Präsenz in der Hauptstadt erfordert. 2300 Mitglieder hat der Verband, es gibt viel zu tun. Er spricht von einem „doppelten Frühling“. Und meint den draußen vor der Tür und den bei den Krankenhausapotheken. „Das Apothekensterben ist vorüber“, sagt er mit Blick auf seine Branche.

377 Klinikapotheken gibt es bundesweit, dabei soll es langfristig bleiben. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 600, doch parallel zur Zentralisierung der Krankenhäuser wurden oft auch deren Apotheken zusammengelegt. „Momentan stehen die Zeichen günstig“, sagt Dörje. „Wir merken, dass viele Krankenhäuser die Patienten- und Arzneimittelsicherheit verbessern möchten.“ Viele sind, unter anderem wegen des Falls des sogenannten „Todespflegers“ Niels H., sensibilisiert. H. war von 1999 bis Mitte 2005 als Krankenpfleger in Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst tätig und beging in dieser Zeit die vermutlich größte Mordserie der deutschen Kriminalgeschichte. Er soll 107 Patienten getötet haben und wurde dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.

„Dieser Fall hat zum Nachdenken geführt“, sagt Dörje. Und zu einer geplanten Novellierung des niedersächsischen Landeskrankenhausgesetzes. Um Fälle wie jenen von Niels H. künftig zu verhindern, sollen in jedem Krankenhaus Stationsapotheker über die Arzneimitteltherapie wachen. Niedersachsen als Vorbild, wenn weitere Bundesländer nachziehen, könnte sich daraus langfristig bundesweit ein Bedarf von rund 1500 neuen Krankenhausapothekern entwickeln. Nicht von heute auf morgen, aber langfristig. „Es gibt eine dreijährige Übergangsphase“, sagt Dörje. Goldene Zeiten für Deutschlands Krankenhausapotheken.

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