„Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert“

eGK und Gematik-App: Apothekerin verzweifelt fast

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Berlin -

Apothekerin Doris Maria Krünägel-Schropp aus Bayern wollte wissen, wie sie über die Gematik-App E-Rezepte erhalten und verschicken kann. Der Weg dorthin dauerte Wochen. „Das war wirklich gruselig“, sagt sie. „Wenn das bei jedem Patienten so läuft, wie bei mir, dann wird es E-Rezepte weiterhin nur auf Papier geben, aber niemals elektronisch und schon gar nicht für DocMorris und andere Versandhändler.“

Krünägel-Schropp erhielt in ihrer Marien-Apotheke in Markt Rettenbach bisher noch kein E-Rezept. Sie selbst war jedoch neugierig, was Kund:innen tun müssen, um die elektronisch Verordnung tatsächlich digital und nicht als Papierausdruck inklusive Token einzulösen. Doch bereits die Anfrage einer eGK war eine Herausforderung. „Ich scheiterte fast daran, meine eigene Gesundheitskarte ‚gematikfähig‘ zu machen“, sagt sie.

eGK lässt auf sich warten

Mehrere Wochen dauerte es, bis sie die eGK von ihrer Krankenkasse erhalten habe, nachdem sie ein neues Passfoto hochgeladen hatte. „Dann brauchst du eine PIN.“ Die elektronische Übermittlung gelang nicht – nach einem ungefähr zweistündigem Versuch ohne Erkennung rief sie wieder bei der Krankenkasse an. Dort kündigte man ihr an, den Code per Post zu schicken. Nach zwei Wochen sei der Brief angekommen.

Dann war es an der Zeit, die Gematik-App aufzurufen. Nachdem sie die Zugangsnummer von der Karte und PIN eingetippt hatte, kam die nächste Nachricht: „Zugangsdaten speichern geht nur, wenn auf dem Handy biometrische Absicherung eingerichtet ist.“ Die Apothekerin aktivierte die entsprechenden Funktionen, doch das Speichern wollte noch nicht klappen. „Ich sollte jetzt auch noch einen Fingerabdruckscan machen. Das geht aber nur, wenn das Handy keine Displayfolie hat.“ Ihren Kratzschutz wollte sie jedoch wegen der Gematik nicht entfernen.

Zugangsdaten nicht gespeichert

„Also dann ohne Zugangsdaten speichern weiter. Da werde ich dann aufgefordert, meine Gesundheitskarte im oberen Bereich mittig an die Rückseite des Telefons anzulegen, der Prozess könne bis zu 30 Sekunden dauern.“ Allerdings habe der Prozess – mit wechselnden Positionen zehn Minuten in Anspruch genommen. Auch nach dieser Zeit kam kein Fortschritt. „Statt oben mittig legte ich die Karte letztendlich unten an, Karte erkannt. Hurra“, freut sich die Apothekerin. Sie erhielt die Meldung „Sie haben derzeit keine einlösbaren Rezepte.“

Ihr Resümee lautet: Das E-Rezept sei ab September nicht einführbar – jedenfalls nicht als rein elektronischer Vorgang. Stattdessen erwartet sie, dass die Kund:innen mit den Ausdrucken von der Arztpraxis kommen. „Die sind dann mehr als doppelt so groß wie das normale Rezept.“ Letztlich würden diese per Fax geschickt und es sei fraglich, ob der Code dann noch eingelesen werden könne. „Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert richtig. Das wird in die Hose gehen.“

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