3000 Euro für Ärzte, 1500 für Apotheken | APOTHEKE ADHOC
E-Rezept-Förderprogramm

3000 Euro für Ärzte, 1500 für Apotheken

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Berlin -

Um die Verbreitung des E-Rezepts voranzubringen, hat der Verein „E-Rezept-Enthusiasten“ wie angekündigt sein Förderprogramm ins Leben gerufen. Wenn Praxen und Apotheken sich aktiv beteiligen und an einer Evaluation teilnehmen, können sie die Fördersumme beantragen. Insgesamt wird mehr als eine halbe Million Euro ausgeschüttet.

Die „E-Rezept-Enthusiasten“ hatten sich Mitte Mai gegründet. Zu den Mitgliedern des Vereins zählen auf Unternehmensseite etliche Schwergewichte der Branche – Softwareanbieter, Plattformbetreiber, Apothekenkooperationen, Telemedizinanbieter und Versandapotheken. Das erklärte Ziel ist die beschleunigte Einführung des E-Rezepts.

Während sich dieses Ansinnen bislang auf Aktionstage in einzelnen Praxen und Apotheken sowie die Bereitstellung von Vordrucken und Informationsmaterial beschränkte, startet jetzt das eigentliche Kernprojekt der „E-Rezept-Enthusiasten“: Mit dem Förderprogramm sollen bundesweit Arztpraxen und Apotheken angelockt werden, sich bei der Digitalisierung ins Zeug zu legen.

200 E-Rezepte in zwei Wochen

Die Vorgaben: Stellt eine Praxis in zwei Wochen jeweils mindestens 100 E-Rezepte aus, erhält sie einmalig 3000 Euro. Die Wochen müssen nicht direkt aufeinander folgen, die Mindestmenge muss aber in beiden Wochen erreicht werden. Gezählt wird ab heute. Für Apotheken gelten dieselben Bedingungen, sie erhalten aber nur die Hälfte des Betrags: Insgesamt 1500 Euro brutto, wenn sie in zwei Wochen jeweils mindestens 100 E-Rezepte einlösen.

Um eine möglichst gute regionale Verteilung zu gewährleisten, ist die Zahl der teilnehmenden Praxen und Apotheken pro Bundesland auf fünf Betriebsstätten begrenzt. Nur in den fünf größten Bundesländern NRW, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen dürfen jeweils 15 (Zahn-)Arztpraxen mitmachen. Dabei gilt: Wer zuerst kommt, erhält den Zuschlag. Die Zahl der freien Plätze wird auf der Internetseite der Enthusiasten aktuell dargestellt.

130 Praxen, 80 Apotheken

Insgesamt werden 130 Praxen und 80 Apotheken gefördert. Daraus ergibt sich eine Gesamtfördersumme von 510.000 Euro. Diese wird von sieben Mitgliedern und Förderern des Vereins gestellt, die ein genuines Interesse an einer schnellen Verbreitung des E-Rezepts haben. Die Softwarehäuser CompuGroup Medical (CGM) und Pharmatechnik haben sich dabei ebenso engagiert wie Shop Apotheke und eHealth-Tec. Andere Mitgliedsfirmen müssen noch auf die beantragte Gemeinnützigkeit des Vereins warten, bis sie Geld in den Topf werfen können. Eine Verlängerung des Förderprogramms ist daher möglich.

Apotheker Ralf König ist Vorsitzender des Vereins und hat bis Ende 2021 im health innovation hub (hih) die vorherige Bundesregierung in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens beraten. Seine Erfahrung ist, dass viele Ärzte zwar heute technisch in der Lage seien, E-Rezepte auszustellen, dies aber nicht nutzten. „Sie lassen sich das Modul im Praxisverwaltungssystem freischalten und erstellen zwei bis drei E-Rezepte und stellen nach dem Test weiter Muster-16-Rezepte aus.“ Daher ist das E-Rezept trotz laut Gematik nunmehr 40.396 ausgestellten Verordnungen noch nicht in der Fläche angekommen. „Wenn man bedenkt, dass aktuell nur etwa zehn Ärzte regelmäßig E-Rezepte ausstellen, sieht man die Macht dieses Förderprogramms“, ist König überzeugt.

Selbstauskunft reicht aus

Die Teilnehmer:innen geben eine eidesstattliche Versicherung ab, dass sie die E-Rezepte tatsächlich ausgestellt beziehungsweise eingelöst haben – und zwar „echte E-Rezepte“, die im Rahmen der üblichen Regelversorgung entstanden sind. „Sie müssen medizinisch indiziert und tatsächlich ausgestellt sein. Ärztliche Leistungserbringer sollen explizit nicht dazu motiviert werden, mehr Rezepte als üblich oder nicht medizinisch indizierte E-Rezepte auszustellen“, heißt es in den Förderkriterien. Bei Bedenken können die Enthusiasten auch in der Praxis oder Apotheke nachfragen, was es mit den angegebenen Rezepten auf sich hat. Einen Rechtsanspruch auf die Fördersumme haben die Teilnehmer:innen ohnehin nicht.

Beantragen kann man die Förderung erst, wenn die Bedingungen erfüllt sind, der Antrag muss bis Ende des Jahres eingegangen sein. Jede Betriebsstätte darf nur einmal teilnehmen, Krankenhäuser und Vereinsmitglieder sind grundsätzlich ausgeschlossen. Sofern alle Kriterien erfüllt sind, zahlt der Verein innerhalb von drei Wochen die Fördersumme aus. „Wir empfehlen, dass Ärzt:innen und Apotheker:innen einen Teil der Prämie an ihre Teams weitergeben, da sie die Abläufe in Praxis und Offizin aktiv mitgestalten“, so König.

Evaluation durch OTH Amberg-Weiden

Die wissenschaftliche Begleitstudie wird von der Ostbayerischen Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH) durchgeführt. Ziel ist es laut Professor Dr. Steffen Hamm, Lehrstuhl für Digital Healthcare Management an der OTH, Hürden bei der Einführung des E-Rezepts zu identifizieren. „Was läuft gut und was kann noch besser laufen?“

Die Ärzt:innen und Apotheker:innen erklären sich bereit, neben einem Fragebogen im Anschluss an die Antragseinreichung für ein telefonisches Evaluationsgespräch von 10 bis 15 Minuten zur Verfügung zu stehen. Bei der Erhebung werden auch Patient:innen befragt. „Wie sieht die Kommunikation, wie sehen die Wechselwirkungen aus?“ Schließlich sei es ein Prozess, bei dem viele Informationen ausgetauscht würden, erklärt Hamm. Die Erkenntnisse sollen ab September allgemein zur Verfügung gestellt werden, wenn das E-Rezept in zwei Bundesländern verstärkt eingeführt wird.

QR-Code-Ausdruck ist beliebt

Der Allgemeinmediziner Dr. Nicolas Kahl – 2. Vorsitzender der Enthusiasten – hat in seiner Praxis nach eigenen Angaben schon einige tausend E-Rezepte ausgestellt. Die Akzeptanz bei den Versicherten sei eigentlich gut, berichtet er. Allerdings fühlten sich gerade ältere Patient:innen mit dem ausgedruckten QR-Code oftmals sicherer. Deshalb findet Kahl diese oft verlachte Option auch wichtig. Zumal die Gematik-App noch „deutlich verbesserungswürdig“ sei. Er würde sich mehr PR-Arbeit von der Politik wünschen, denn der Einsatz der App würde die Praxis noch einmal deutlich erleichtern.

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