Digitalisierung

Österreich: E-Rezept sorgt für Stau in Apotheken

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Berlin -

In Österreich gibt es Probleme bei der Umsetzung von E-Rezepten, doch müssen diese in wenigen Wochen bereits flächendeckend eingesetzt werden. Die Apothekerkammer warnt vor „Chaos“.

In Österreich ist die Digitalisierung der Medikamentenabgabe bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland. Bereits jetzt werden Rezepte elektronisch an Apotheken übermittelt, allein in der vergangenen Woche seien rund 1,2 Millionen Rezepte ausgestellt worden. Nun warnt die Präsidentin der Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr, in gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA vor einem „Fiasko“. Vertreter der österreichischen Sozialversicherung widersprechen scharf.

Derzeit pragmatische Lösung

Derzeit reicht es aus, die Sozialversicherungsnummer eines Patienten zu wissen. Diese kann mündlich weitergegeben werden, und der Apotheker tippt diese dann in das System ein und kann die Verordnung des Arztes einsehen. So können auch Angehörige Medikamente abholen. Doch diese Lösung läuft aus: Die aktuelle Methode der „E-Medikation“ für eine kontaktlose Verschreibung war eine Übergangslösung in der ersten Phase der Pandemie.

Das neue E-Rezept ist in der Alpenrepublik schon länger in der Einführungsphase und ist ab Juli verpflichtend, sollte der Nationalrat keinen Aufschub gewähren.

Lesegeräte nicht lieferbar

Mit dem E-Rezept müssen Mediziner die Rezepte nicht mehr ausdrucken, und dies geschieht auch immer seltener. So muss jedoch die E-Card, welche der elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland entspricht, in der Apotheke physisch in ein Kartenlesegerät gesteckt werden.

Laut Mursch-Edlmayr fehlen aber 5000 Lesegeräte, welche nicht vor September oder Oktober geliefert werden können. Hunderte Apotheken im Land hätten nur ein Lesegerät, was zu langen Warteschlangen führe.

Eine App soll es richten

Die österreichische Sozialversicherung verweist auf eine eigene Smartphone-App, die das Problem lösen könne. Diese sei aber in der Bevölkerung nahezu unbekannt.

Mursch-Edlmayr zufolge gibt es auch Probleme in der Umsetzung von BtM-Rezepten, also auch bei der Versorgung mit starken Schmerzmitteln. Diese Verschreibungen können derzeit nicht abgebildet werden. Die Präsidentin sieht besonders in Pflegeeinrichtungen Probleme. Auch Inhalatoren oder Infusionsgeräte sind ein konkretes Problem.

Sozialversicherer weisen Kritik zurück

Peter Lehner, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, weist Vorwürfe der Apothekerkammer zurück. Er stellt sich gegen die „Panikmache“, denn es schaffe Unsicherheiten für alle. Es seien fünf verschiedene Wege geschaffen worden, um E-Rezepte einzulösen, unter anderem ein alphanumerischer Code. Damit ist es Dritten auch weiterhin möglich, Rezepte einzulösen. Ausdruck, App und E-Card sowie Blankorezepte seien weitere Wege. Aus Sicht der Sozialversicherung bestehe keine weitere Notwendigkeit für die Verschreibung via E-Medikation, wie Lehner erklärt.

Update (16.06.2022; 13:58 Uhr)

Die Ärzteschaft teilte am Donnerstagmittag durch ihren Präsidenten Johannes Steinhart mit: "Die Behelfslösung über die E-Medikation funktioniert aktuell gut und kann aus unserer Sicht problemlos noch mindestens drei Monate weiterlaufen“. Weiter dürfe das E-Rezept den Patienten nicht "übergestürzt werden", da dies die Akzeptanz senken könne. Die Österreichische Ärztekammer sieht die Probleme jedoch bei den Softwareherstellern, die noch keine allumfassenden Lösungen bereitstellen können.

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