Bürokratie

DSGVO: „Die lachen sich doch kaputt“ Tobias Lau, 12.07.2018 07:59 Uhr

Berlin - Anderthalb Monate ist die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nun in Kraft. Grundlegend geändert hat sie nichts, die vielerorts befürchtete Abmahnwelle ist bisher auch ausgeblieben. Für viele Apotheker ist sie dennoch ein Ärgernis, insbesondere wegen des oft als unnötig empfundenen Mehraufwands. So geht es auch Hermann Niemann, Apotheker aus Warburg bei Paderborn. Er hätte sich auch von den Standesvertretungen etwas mehr Unterstützung erhofft.

„Ich bin nicht gerade begeistert, aber wer ist das schon?“ Hermann Niemann klingt leicht resigniert, wenn man ihn nach der DSGVO fragt. Er sieht viel guten Willen in dem Regelwerk, aber wie so oft gilt: Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Denn für Niemann, Apotheker seit 40 Jahren, ist Einiges komplizierter geworden. „Wir brauchen jetzt allein drei Unterschriften von Kunden mit einer Kundenkarte, wenn wir ihnen eine umfassende Betreuung anbieten wollen“, erklärt er.

Einmal muss der Kunde dafür unterschreiben, dass seine persönlichen Daten inklusive seiner Medikation gespeichert werden, ein zweites Mal dafür, dass seine Daten verwendet werden, um Informationen wie Benachrichtigungen an ihn zu senden, und ein drittes Mal dafür, dass seine Anschrift auf den Kassenbon gedruckt werden darf.

Dabei gebe es auf Kundenseite offensichtlich kaum Bedarf, die neuen Rechte zu nutzen. So musste Niemann einen Datenschutzbeauftragten ernennen, an den sich beispielsweise Kunden wenden, die ihre Daten löschen lassen wollen – denn darauf haben sie Anspruch. Das sei aber bisher nur ein einziges Mal vorgekommen. „Und da hatte ich eher den Eindruck, dass das aus Verunsicherung geschehen ist, nicht als eine bewusste Verbraucherentscheidung.“ Überhaupt: DSGVO bedeutet Verunsicherung. „Denn Sie können gar nicht alles richtig machen, weil ja noch nicht einmal der Gesetzgeber genau weiß, wie genau das alles laufen muss.“

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