ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Diese Unannehmlichkeiten rechtfertigen Boni Alexander Müller, 31.08.2019 07:59 Uhr

Berlin - Der Festpreis ist ein Festpreis ist ein Festpreis. Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel sind verboten. Außer als Zeitschrift oder als guter Rat. Und Taschentücher sind auch okay. Eine kleine Entschädigung dürfen auch Kunden bekommen, denen eine Unannehmlichkeit wiederfahren ist. Und das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Das Arzneimittel ist nicht vorrätig und der Kunde muss noch einmal wiederkommen, um es abzuholen. Das kann aus Sicht der Rechtsprechung ein Grund sein, ihn dafür zu entschädigen, zum Beispiel mit einem Wertgutschein. Ob das auch noch geht, wenn der Kunde die Unannehmlichkeit auf sich nimmt und das Rezept vorher fotografiert und an die Apotheke schickt, damit er später nicht warten muss, wird demnächst vermutlich vor Gericht geklärt. Ein Spandauer Apotheker meint, dass das unangenehm genug ist, die Wettbewerbszentrale hat da so ihre Zweifel.

Was ist, wenn der Kunde vorher anruft, dass er gleich in die Apotheke kommt. Er gibt seine Vorbestellung durch, alles steht bereit, wenn er kommt und er bekommt seinen Bonus. Wenn eines der verordneten Arzneimittel gegen ein Rabattarzneimittel ausgetauscht wurde, gibt es einen Gutschein extra. Ebenfalls belohnt werden darf, wer dem nächsten Kunden die Automatiktür aufhält oder in der Wartschlange vorlässt. Geheimtipp: Wenn sich zwei Kunden gegenseitig vorlassen, erhalten beide den Bonus und keiner muss länger warten.

Ebenfalls honoriert werden kleine Aufmerksamkeiten des Kunden: Vor der Apotheke brav die Schuhe abgeputzt? Ein Gutschein. Im Winter sogar zwei. Den Hund draußen angebunden? Gutschein. Wer keinen Hund hat, kann auch nur an Leine draußen anbinden, das ist rechtlich aber ein Grenzfall. Auf einer anderen Ebene problematisch ist die Belohnung von Kunden, die zwar kein Rx-Arzneimittel mitnehmen, aber einen leeren Rezeptblock mitbringen. Völlig gefahrlos dürfen dagegen Kunden honoriert werden, die die Beschwernis auf sich nehmen, mit einem Heißluftballon anzureisen.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, die Unannehmlichkeiten selbst zu schaffen, für die man die Kunden dann entschädigen kann. Zum Beispiel eine kleine Buchsbaumhecke vor dem Eingang pflanzen, über die man springen muss. Problematisch könnte hier allenfalls das Thema Barrierefreiheit sein. Möglich, wenn auch im Team schwer durchzusetzen, sind auch richtig viele Duftbäume in der Offizin, wahlweise auch 30 Kuckucksuhren. Beides ist so unangenehm, dass Kunden sich über einen Gutschein freuen – wenn sie noch kommen.

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