Analgetika-Warnhinweis

Chaos in der Sichtwahl Nadine Tröbitscher, 30.08.2018 13:20 Uhr

Berlin - Warnhinweise auf Analgetika sollen die Patientensicherheit erhöhen, doch stattdessen gibt es Verwirrung und Chaos. Denn es gelten zahlreiche Ausnahmen, die Regelung schließt viele Schmerzmittel aus. Das könnte dazu führen, dass identisch zusammengesetzte Produkte einmal mit und einmal ohne Warnhinweise vertrieben werden. Selbst wenn sie derselben Dachmarke angehören und nahezu identisch aussehen.

Die Analgetika-Warnhinweisverordnung (AnalgetikaWarnHV) gilt für Humanarzneimittel, die „ausschließlich zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen oder von Fieber“ zugelassen sind. Für diese Präparate ist ein entsprechender Hinweis künftig Pflicht. Eingeschlossen sind Arzneimittel zur oralen oder rektalen Applikation, die nicht der Verschreibungspflicht unterliegen und Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol, Phenazon oder Propyphenazon enthalten.

Je nachdem, wie die Indikation lautet, sind selbst identisch zusammengesetzt Präparate betroffen oder nicht. Bei großen Marken wie Dolormin, Thomapyrin oder Aspirin gibt es zahlreiche Varianten, die bei unterschiedlichen Beschwerdebildern eingesetzt werden. Aspirin Migräne unterscheidet sich in der Zusammensetzung vom Klassiker nicht, muss aber wegen der Indikation im Beipackzettel nicht mit einem Warnhinweis versehen werden. Dasselbe gilt für Dolormin – auch hier müssen die Varianten gegen Migräne sowie gegen Regelschmerzen nicht deklariert werden, die identisch zusammengesetzten Schwesterprodukte Dolormin extra und Dolormin GS dagegen schon. Thomapyrin intensiv ist ebenfalls ausgenommen, Thomapyrin classic nicht.

Noch verwirrender ist es bei Ibuprofen Ratiopharm: Das Direktgranulat bekommt einen Hinweis, die Tabletten mit Lysinat dagegen wegen einer zusätzlichen Indikation „Migräne“ nicht. Damit ist das Generikum auch im Vergleich zu den Markenprodukten wie Dolormin extra im Vorteil, die identisch zusammengesetzt sind, aber den Warnhinweis tragen müssen. Bei Phenazon greift die Neuregelung komplett ins Leere: Die beiden einzigen OTC-Präparate auf dem Markt ist Migräne Kranit (Krewel Meuselbach) und Eumed (Strathmann), die bei Migräne eingesetzt werden und daher nicht betroffen sind.

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