Ein Filialleiter, der seinen Chef um Zigtausende Euro brachte, kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Das Landgericht Zweibrücken (LG) hob eine Haftstrafe auf – zum Unverständnis des Inhabers.
In 158 Fällen soll der Filialleiter im Zeitraum von Februar 2021 bis November 2022 die Tageseinnahmen nicht in voller Höhe zur Bank gebracht, sondern sich Teile der Einnahmen selbst in die Tasche gesteckt haben. Mehr als 30 Mal seien es über 500 Euro auf einen Streich gewesen, wie Inhaber Christian Engel berichtet. Insgesamt fehlte ein Betrag von 64.500 Euro.
Im April 2024 wurde der Angestellte vom Amtsgericht Pirmasens in insgesamt 46 Fällen schuldig gesprochen und zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von Geldern in Höhe von 32.205 Euro an.
Im Berufungsverfahren sollte Engel heute erneut als Zeuge aussagen. Doch als er kurz vor 10 Uhr beim Landgericht Zweibrücken erschien, wurde er direkt angesprochen: Er könne direkt wieder nach Hause fahren. Das Urteil sei bereits gesprochen worden.
Sein Filialleiter habe die Veruntreuung gestanden. Das Urteil laute ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. „Also ein vergleichsweise mildes Urteil, das aus meiner Sicht wenig abschreckend ist“, so Engel enttäuscht.
Aufgeflogen war die Sache überhaupt nur, weil die gesamte Belegschaft der Filialapotheke in Pirmasens im November 2022 an Covid-19 erkrankt war. Daher hatte sich Engel mit etwas Unterstützung aus der Hauptapotheke in Blieskastel auf den Weg gemacht, um die Stellung zu halten. Die Apotheke war schon damals unwirtschaftlich, doch bis dahin hatte der Apotheker keine kriminellen Absichten dahinter vermutet.
Die Tageseinnahmen wurden immer einzeln mit dem Geld in Tüten verpackt, die der Filialleiter prüfen und anschließend zur Einzahlung an die Bank übergeben sollte. Als Engel kurz nach seinem Eintreffen den Tresor überprüfte, fiel ihm auf, dass die letzte Abrechnung – also eine Tüte – fehlte. Er fragte daher im Mitarbeiter-Chat nach, ob jemand diese vielleicht in seinem Spind vergessen hatte. Sein Filialleiter verhielt sich komisch: „Er wollte sofort kommen und suchen helfen, dabei hatte ich ihm gesagt, dass er ohnehin nur noch zwei Tage krankgeschrieben sei und wir das auch dann machen könnten.“ Als der Angestellte allerdings trotzdem wenig später auf der Matte stand und die Apotheke auf den Kopf stellte, wurde Engel misstrauisch.
„Er hat sich nicht einmal Mühe gegeben, den Diebstahl zu verschleiern.“ Einzahlungsbelege der Bank seien einfach an die entsprechenden elektronischen Kassenabrechnungen geheftet worden, obwohl die Geldbeträge nicht passten. Auch sein damaliger Steuerberater hatte sich allem Anschein nach nicht die Mühe gemacht, die Einzahlungen mit den Tagesabschlüssen zu vergleichen.
Seinem Filialleiter kündigte Engel fristlos. Dieser wehrte sich sogar noch gegen die Kündigung in einem Gerichtsverfahren; als er mit den Unstimmigkeiten in der Buchhaltung konfrontiert wurde, plädierte er auf nicht schuldig: Die Boten hätten weniger eingezahlt, als er ihnen gegeben hatte. Trotzdem musste er nach der Verhandlung rund 22.000 Euro in Monatsraten von 500 Euro zurückzahlen. Nach den Enthüllungen wurde die Filialapotheke in Pirmasens direkt Ende November 2022 geschlossen.