Beratungstest

ARD testet Apotheken

, Uhr
Berlin -

„Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Im Oktober hat das ARD-Magazin „W wie Wissen“ Apotheken getestet. Vor laufender Kamera wurden drei Fallbeispiele durchgespielt: Die Mitarbeiter sollten Wechselwirkungen erkennen und korrekt zu Aspirin beraten. Das Ergebnis: Apotheken nehmen ihre Aufgabe ernst und können menschliche Fehleinschätzungen dank der Technik ausgleichen.

Welche riskanten Kombinationen der Test beinhaltete, wurde im Beitrag nicht verraten. Die Packungen sahen nach Ramipril, L-Thyoxin, Ibuprofen und Pantoprazol aus. Die unbedenkliche Wirkstoffkombination wurde von allen vier Apotheken abgegeben. Tückisch waren die Wechselwirkungen bei einer anderen Kombination: Ein Apotheker hätte die Produkte fast beliefert, nach Eingeben der Wirkstoffe in den Computer aber die Wechselwirkung doch noch erkannt. Wenn die menschliche Einschätzung fehlerbehaftet sei, könne die Technik helfen, so das Fazit. Apotheker seien schließlich auch nur Menschen. Eine Apothekerin war sich trotz doppelter Absicherung unsicher.

Apotheker wüssten um ihre Verantwortung und fühlten sich der Beratung verpflichtet. Kunden entschieden sich aber auch dagegen. Einige fühlten sich ausgefragt und nähmen das Angebot der Beratung nicht an. Die Hürde des Monopräparates mit Acetylsalicylsäure nahmen alle Apotheker: Die W-Fragen wurden alle gestellt, mögliche Wechselwirkungen abgeklärt. Test bestanden.

Den Medikationsplan fanden die Apotheker hilfreich und begrüßten die Entscheidung. Apotheken könnten so Wechselwirkungen aufdecken. Wenn Rezepte in unterschiedlichen Apotheken eingelöst wurden, habe man bislang nicht gewusst, welche Medikamente der Kunde einnehme. Kauften Kunden ihr Ibuprofen und den Blutdrucksenker an unterschiedlichen Orten, konnte trotz Nachfragen das Risiko von Medikationsfehlern nicht immer ausgeschlossen sein.

Kürzlich testete das NDR-Verbrauchermagazin „Markt“ Apotheken. Mit versteckter Kamera besuchte eine Testkundin zehn Apotheken und ließ sich zu Erkältungsmitteln beraten. Fazit dieses Beitrags: Apotheker sind Abzocker, die ihren Patienten unnötige Medikamente aufschwatzen. Der Pharmakologe Professor Dr. Gerd Glaeske gibt seine Empfehlung zu Medikamenten gegen Erkältungssymptome.

In fünf der getesteten Apotheken wurden der Kundin Medikamente für mehr als 20 Euro angeboten. In einer Apotheke lag der Gesamtpreis bei 32,25 Euro; dafür gab es ein Halsspray, Schmerzmittel, Bronchicum akut und Sinupret. Das sei zu viel, sagt Glaeske: „Diese Vielfalt von Arzneimitteln brauchen Sie nicht.“ Die Menge deute darauf hin, dass der Apotheker den Umsatz im Blick habe – und nicht, welche Mittel wirklich nötig seien. Denn laut Glaeske genügen Schmerzmittel und ein Nasenspray bei Erkältungen.

In mehreren Apotheken wurden Mittel zur Immunstärkung angeboten; Orthomol immun und Imupret. Doch das Immunsystem könne mit der Ernährung und dem Lebensstil unterstützt werden, nicht aber mit Arzneimitteln gestärkt werden, so Glaeske. Zu Imupret sagte eine Apothekerin im Test, dass die Kundin die Packungsbeilage ignorieren solle. Statt einiger Tropfen empfehle sie, einen Löffel des Mittels einzunehmen. Bei der ABDA konnte man sich diese abweichenden Dosierungsangaben nicht erklären.

In einer Apotheke wurde der Kundin ausschließlich das homöopathische Mittel Gripp-Heel empfohlen. Das helfe gegen alles, auch die Ursachen, so die Apothekerin. Der Preis für das Präparat war mit 9,97 Euro moderat. Glaeske bemängelte die Homöopathie im Bereich Erkältungen: „Sie wirkt nicht besser als Placebo.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Heute Abend: APOTHEKE ADHOC WEBINAR
Corona-Herbst: Expertentipps für Apotheken »
Wie kann die Spermienqualität verbessert werden?
Spermien im Fokus: Was Man(n) wissen sollte »
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert? »
Mehr aus Ressort

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
37,6 Millionen Euro in Cannabis
Tabakhersteller steigt bei Sanity ein»
Forderungen müssen angemeldet werden
Beragena: Apotheken als Insolvenzgläubiger»
Augentropfen mit Farbstoff
Dr. Theiss macht Augen blau»
EU-Kommission sichert 10.000 Einheiten
Affenpocken: Was kann Tecovirimat?»
Stada-Produkt in EU zugelassen
Kinpeygo: Budesonid gegen Nephropathie»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»