NDR: Apotheker zocken ab

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Berlin -

Das NDR-Verbrauchermagazin Markt hat wieder Apotheken getestet. Mit versteckter Kamera besuchte eine Testkundin zehn Apotheken und ließ sich zu Erkältungsmitteln beraten. Fazit des Beitrags: Apotheker sind Abzocker, die ihren Patienten unnötige Medikamente aufschwatzen. Der Pharmakologe Professor Dr. Gerd Glaeske gibt seine Empfehlung zu Medikamenten gegen Erkältungssymptome.

In fünf der getesteten Apotheken wurden der Kundin Medikamente für mehr als 20 Euro angeboten. In einer Apotheke lag der Gesamtpreis bei 32,25 Euro; dafür gab es ein Halsspray, Schmerzmittel, Bronchicum akut und Sinupret. Das sei zu viel, sagt Glaeske: „Diese Vielfalt von Arzneimitteln brauchen Sie nicht.“ Die Menge deute darauf hin, dass der Apotheker den Umsatz im Blick habe – und nicht, welche Mittel wirklich nötig seien. Denn laut Glaeske genügen Schmerzmittel und ein Nasenspray bei Erkältungen. Die ABDA sagte dazu, dass Apotheker einen einzelfallbezogenen Entscheidungsspielraum hätten, was die Medikamentenempfehlungen betreffe.

Mehrfach wurde Meditonsin empfohlen, ein homöopathisches Präparat. Zur Wirksamkeit des Mittels gegen Erkältungen gebe es kaum Studien, kritisiert Glaeske. Zudem enthalte das Medikament geringe Mengen Quecksilber. „Ich finde, dass Quecksilber nicht mehr in Arzneimittel gehört.“

In mehreren Apotheken wurden Mittel zur Immunstärkung angeboten; Orthomol immun und Imupret. Doch das Immunsystem könne mit der Ernährung und dem Lebensstil unterstützt werden, nicht aber mit Arzneimitteln gestärkt werden, so Glaeske. Zu Imupret sagte eine Apothekerin im Test, dass die Kundin die Packungsbeilage ignorieren solle. Statt einiger Tropfen empfehle sie, einen Löffel des Mittels einzunehmen. Bei der ABDA konnte man sich diese abweichenden Dosierungsangaben nicht erklären.

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