Apothekenüberfälle aus Todessehnsucht

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Berlin - Gleich dreimal überfiel Thomas D. die Gerhart-Hauptmann-Apotheke in Berlin-Britz. Ein vierter Raubzug auf die Bären-Apotheke in Neukölln sei am Widerstand eines Angestellten gescheitert, so die Polizei. Seit heute muss sich der 51-Jährige vor dem Landgericht Berlin verantworten.

Der gebürtige Stuttgarter wurde am 31. Mai verhaftet, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA Moabit. Bei seiner heutigen Vernehmung gab er an, drogenabhängig zu sein. Im vergangenen Herbst sei seine Lebensgefährtin gestorben. Danach sei er sich „unnötig“ vorgekommen und habe nicht mehr leben wollen, sagte er am ersten Verhandlungstag seines Prozesses aus. Mehrere Suizidversuche mit einer Überdosis Drogen an ihrem Grab seien misslungen. „Ich bin jedes Mal wieder zu mir gekommen.“ Als nächstes habe er sich einen Revolver gekauft, um sich zu erschießen. „Aber die Waffe oder die Munition haben nicht funktioniert.“

Dann sei er auf die Idee gekommen, eine Apotheke zu überfallen. „Ich habe mir gedacht, wenn die herausfinden, wer der Täter ist, dann stürmt das SEK meine Wohnung und erschießt mich.“ Doch leider sei ihm niemand auf die Schliche gekommen. „Das ist schon ein Armutszeugnis für die Polizei. Sie hatten meine DNA und meine Fingerabdrücke, leichter kann man es denen eigentlich nicht machen.“ An den ersten Überfall im Oktober letzten Jahres könne er sich gar nicht mehr erinnern, an die anderen Taten im Mai nur „teilweise“. Die Waffe habe er nach der ersten Tat weggegeben. Auf die Gerhart-Hauptmann-Apotheke sei er verfallen, weil sie in der Nähe einer Postfiliale liegt, in der er seine Bankgeschäfte erledige.

Im Gegensatz zu D. sehr gut an die ersten drei Taten erinnern konnte sich vor Gericht der angestellte Apotheker Dirk E., jedes einzelne Mal sei er im Dienst gewesen. Das erste Mal habe D. am 16. Oktober 2017 zugeschlagen. „Es war so gegen 17.30 Uhr, draußen war es dunkel und die Apotheke leer“, so E. Nur eine Kollegin, die PTA Martina R., sei noch da gewesen. „Er bedrohte mich mit einer Schusswaffe und forderte mich auf, ihm Geld in großen Scheinen zu geben. Er hat nicht viel gesagt, aber ganz klar gesprochen.“ Etwa 200 Euro habe der Täter damals erbeutet. „Er sah blass und kränklich aus, mit eingefallenem Gesicht, wie jemand aus dem Drogenmilieu. Ich dachte, der Tod steht vor mir.“

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