ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Die Ultimative-Apotheker-kann-alles-zahlen-Show

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Berlin -

Die gängigste Form der Mitarbeitermotivation ist noch immer die Gehaltserhöhung. Doch der positive Effekt verpufft viel zu schnell. Deshalb hat ein Apotheker überlegt, dass er beim jetzt ausgehandelten Tarifabschluss einfach mal nicht mitmacht. Stattdessen prämiert er die Spitzenleistung seiner Angestellten mit Naturalien. Ein Erfolgsmodell?

Bei der Teamsitzung der Apotheke waren sich alle schnell einig: Ein Plus von 3 Prozent ist für keine Seite wirklich toll. Von den 64 Euro (brutto!) mehr im Monat kann PTA Steffi keine großen Sprünge machen, der Chef muss aber für das ganze Team monatlich fast 10.000 Euro mehr stemmen. Irgendwie ein blöder Deal für beide Seiten.

Da kam die Glücksrad-Idee. Der Chef stellt jeden Monat ein Budget bereit, mit dem Nützliches und weniger Nützliches, dafür aber sehr Schönes angeschafft werden kann – von der Espressomaschine über Reisegutscheine bis zum flotten E-Roller. Am Ende des Monats wird um die Preise gequizzt. Der Inhaber stellt Fachfragen zu Fortbildungszwecken oder fragt Vorlieben von Stammkunden ab – natürlich streng DSGVO-konform.

Der oder die Schnellste, Schlauste und Engagierteste bekommt als erstes den Zuschlag und darf zuerst einen Preis wählen. Bei der ersten Runde entschied sich die Approbierte Sonja zur Überraschung aller für die selbstaufblasende Luftmatratze. Natürlich darf später auch getauscht werden und alle achten darauf, dass keiner leer ausgeht: „Ich nehme die Tischtennisplatte. Und das Kofferset für die Sybille.“

Ob sich ein solches Modell in Wirklichkeit in Apotheken durchsetzen könnte – ich weiß es nicht. Vielleicht gäbe es doch nur Streit, wenn ausgerechnet die faule Teilzeit-PKA den Hauptpreis absahnt. Aber es würde sich schon lohnen, über Alternativen nachzudenken. Denn mit dem tatsächlichen Tarifabschluss sind weder Angestellte noch Inhaber so richtig glücklich, wie eine APOSCOPE-Umfrage zeigt.

Der Deal wirkt auch ein bisschen lieblos: Pauschal 3,0 Prozent mehr für alle, keine Strukturreform, keine kreativen Elemente – das klingt irgendwie nicht nach den „langen, zähen Verhandlungen“, die die Apothekengewerkschaft Adexa resümiert. Beim Arbeitgeberverband ADA ist man vermutlich in erster Linie froh, nicht mit Verdi verhandeln zu müssen. Zumindest eine latente Streikbereitschaft ist in der Belegschaft nämlich wahrnehmbar.

Es ist ja auch nicht so, als ob die Inhaber ihren heißgeliebten Angestellten nicht mehr Geld gönnen würden. Nur woher nehmen? Dass die Apotheker wirklich eine in ihrem Sinne positive Honorarreform erwarten dürfen, wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in ein paar Wochen zum Apothekertag kommt, ist nur eine Hoffnung. Und bislang ist der Minister nur damit aufgefallen, unter dem Applaus des Phagro die Großhandelsrabatte kürzen zu wollen. Apotheker, die sich immer noch in dem „einen Boot“ wähnen, sollten schleunigst die Rettungsweste anlegen. Jeder kämpft für sich, ob beim Honorar oder beim Lagerwertverlust.

Ist es nicht sowieso am schönsten, wenn man ganz unverhofft zu Geld kommt? So wie die PKA, die endlich endlich den ersehnten Anruf bekamt und beim Gewinnspiel gleich 70.000 Euro absahnte. Natürlich gibt sie in der Apotheke einen aus. Da führte allerdings auch kein Weg dran vorbei, denn die Kollegen haben den Freudentanz live verfolgt.

Andere Wege, schnell zu mehr Geld zu kommen, sind nicht zu empfehlen. Zum Beispiel der Zapper-Weg. Wer seine Steuern selbsttätig verkürzt und dabei erwischt wird, muss nämlich nicht nur nachzahlen, sondern verliert im schlimmsten Fall auch seine Betriebserlaubnis. Ein Kollege ist mit seiner Klage dagegen jetzt gescheitert.

Rausgeschmissen Geld ist es, wenn ein Pharmakonzern wie Bayer die Werbematerialien für sein Aspirin complex verschickt, obwohl das Präparat gar nicht lieferfähig ist. Geldvernichtung ist dagegen, wenn sich die Wirtschaftswoche ein Präparat wie Orthomol als zweifelhaft bezeichnet, zugleich aber die Smalltalk-Qualitäten des Apothekenaußendienstes lobt und sich über die Frisur des Firmenchefs auslässt.

Sehr schnell und blöd Geld verlieren können Apotheker auch, wenn sie wegen Fehlern in ihrer Werbung abgemahnt werden. Neuste Abmahnfalle: Analgetika-Warnhinweise. Die Hersteller müssen ihre Packungen umgestalten, haben aber eine Übergangsfrist. Wenn die Apotheker die Packungen etwa auf einem Flyer verwenden, müssen sie den Warnhinweis schon verwenden. Wie gerecht...

Geld verdient wird aber bekanntlich im Einkauf. Seit Hersteller CP Gaba die Wechselköpfe Aronal Öko-Dent umgestellt hat, ist ärgerlicherweise das Topitec-Werkzeugwellenbad von Wepa in vielen Apotheken trockengelaufen. Not macht erfinderisch und so überlegte eine Apothekerin aus Speyer, wie man das Problem lösen könnte. Sie fragte eine Zahnärztin, die prompt ihren Bohrer zückte und die Wechselköpfe von Fuchs passend machte. Beziehungen muss man haben.

Und wer als Apotheker nach Tarifabschluss und Abmahnanwälten immer noch Geld übrig hat, auf den warten die Krankenkassen. Denn die finden, dass die Apotheker einseitig profitieren. Man könnte ins Feld führen, dass eher Kassen bei Nullretaxation nach Versorgung ihres Versicherten einseitig profitieren, aber das hieße, ihre Argumente mit Logik zu bekämpfen. Und das kann man sich sparen. Lieber ab ins Wochenende!

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