Aachen: Amtsapothekerin stoppt Portal für Impfzertifikate

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Tatsächlich ist Videoident vor allem im Finanzsektor bereits seit Jahren ein etabliertes Authentifizierungsverfahren, das bei Vertragsschlüssen aller Art genutzt wird. Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie (DiRUG) will das Bundesjustizministerium das Verfahren sogar für notarielle Beglaubigungen und Unternehmensgründungen zulassen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Onlineverfahren kann prinzipiell von überall durchgeführt werden. „Um eine missbräuchliche Ausstellung zu vermeiden, soll eine Ausstellung in der Regel nur erfolgen, wenn die Impfung in räumlicher Nähe [...] erfolgt ist“, ließ ihn die Amtsapothekerin in ihrer E-Mail wissen. Auch diesen Einwand hält er jedoch für nicht angebracht: „Was ist, wenn jemand bei mir in der Apotheke steht, der nicht in der Nähe geimpft wurde? Dann stelle ich das auch bloß an seinen Dokumenten fest – das ist beim Videoident-Verfahren kein bisschen anders!“ Allerdings geht aus einem gemeinsamen Rundschreiben von Kammer und Verband Nordrhein hervor, dass die zumindest die beiden Standesvertretungen die Online-Identifizierung ablehnen: „Die Ausstellung des digitalen Covid-19-Impfzertifikates aufgrund von elektronisch übermittelten Impf- und Ausweisdokumenten ist nicht zulässig“, heißt es darin, ohne dass es eine Rechtsgrundlage für die Auffassung erläutert wird. Trifft es aber zu, wäre damit auch die Nutzung von Telepharmazieangbeoten wie das von Apomondo rechtswidrig.

So oder so: Das Wort der Amtsapothekerin ist einzuhalten und was passiert, wenn er sie ignoriert, ließ sie ihn unmissverständlich wissen: „Eine Weiterführung dieser Webseite könnte rechtliche Konsequenzen haben.“ Der Inhaber nahm die Seite noch am Donnerstagmorgen vom Netz. Müller war für eine Stellungnahme zu dem Vorgang am Freitag nicht zu erreichen. Khosravani verteidigte sein Portal gegenüber der Amtsapothekerin, verwies darauf, dass Videoident ein nachgewiesen sichereres Authentifizierungsverfahren sei. Er solle ihr nun schriftlich nachweisen, dass das der Fall ist. Das will Khosravani jetzt tun – und hoffen, dass er das Angebot wieder ans Netz nehmen darf: „Die Amtsapothekerin hat hier die einmalige Gelegenheit, jungen und innovativen Apothekern unter die Arme zu greifen, Fortschritt voranzutreiben und nicht auf Zuruf ständig Dinge zu verbieten“, sagt er.

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