Arzneimittelschmuggel

Lunapharm-Skandal: Neue Spuren zur Mafia APOTHEKE ADHOC, 04.08.2018 14:22 Uhr

Berlin - Bislang war nur der vermeintliche Arzneimittelschmuggel aus Griechenland und eine unsachgemäße Lagerung bekannt. Jetzt kommen neue Informationen ans Licht. Demnach hat der Pharmagroßhändler Lunapharm womöglich auch gestohlene Krebsmedikamente aus Italien in Deutschland vertrieben. Das geht aus einem E-Mail-Verkehr hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Indizien weisen auf Mafia-Kontakte hin.

Konkret betroffen ist Herceptin. Das Brust- und Magenkrebsmedikament wird in Italien nur in Krankenhäusern abgegeben. Vor einigen Jahren wurde das Medikament bereits einmal im großen Stil gestohlen. Die italienischen Behörden machten dafür die Mafia verantwortlich. Darum steht Herpectin aus Italien seit 2014 auf einer roten Liste im Warnsystem der EU-Gesundheitsbehörden. So soll der Vertrieb bestimmter Medikamente unterbunden werden.

Bei den jüngsten Durchsuchungen bei Lunapharm hatte das Landeskriminalamt Lieferlisten, Rechnungen und CDs beschlagnahmt. Sie ergaben laut Zeitungsbericht, dass das Unternehmen im Mai, Juni und Juli aus Italien stammendes Herceptin verkauft hatte. Lunapharm habe wissen müssen, dass es mit gestohlener Ware handelt – davon gehen die italienischen Behörden laut einem der Zeitung vorliegenden E-Mail-Wechsel aus. „Es bestand keine Möglichkeit, Herceptin auf legalem Weg aus Italien einzuführen“, schrieb die italienische Gesundheitsbehörde AIFA am 1. August auf eine Anfrage des Paul-Ehrlich-Instituts, des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Jeder, der Herceptin aus Italien in Verkehr bringe, sei „fraglos Teil des kriminellen Netzwerkes“, so die persönliche Einschätzung des AIFA-Experten.

Die neuen Informationen könnten entscheidenden Einfluss auf das beim Verwaltungsgericht Potsdam laufende Eilverfahren gegen den Entzug der Betriebserlaubnis haben. Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet. Zum Ende der Woche hatte der Großhändler mit Sitz im brandenburgischen Mahlow einen überraschenden Teilerfolg erzielt. Wie der Sprecher des Verwaltungsgerichts Potsdam, Matthias Scharf, der Lausitzer Rundschau bestätigte, habe das Gericht das Landesgesundheitsministerium gebeten, den sofortigen Vollzug der Aufhebung der Betriebserlaubnis auszusetzen.

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