Arzneimittelschmuggel

Lunapharm-Skandal: Woidke erwartet Golzes Rücktritt dpa, 09.08.2018 14:57 Uhr aktualisiert am 09.08.2018 16:20 Uhr

Neuruppin - Im Medikamentenskandal schließt Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) eine Kabinettsumbildung nicht aus. Zunächst solle der bis Ende August erwartete Bericht der Expertenkommission zu dem Skandal abgewartet werden, derzeit werde über einen Personalwechsel nicht gesprochen. „Es kann aber sein, dass Ende August das Kabinett nicht mehr so aussieht wie heute“, sagte Woidke am Rande seiner Sommerreise in Neuruppin. Damit gerät Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) immer stärker unter Druck. Ihre Verwaltung war lange Zeit nicht gegen einen mutmaßlich illegalen Handel mit Krebsmedikamenten vorgegangen.

Im Zentrum stehe derzeit die Aufklärung und die Frage, wie so etwas künftig vermieden werden könne, sagte Woidke. Diese Aufklärung hätten externe Experten übernommen. Auf entsprechende Nachfrage schloss er aber auch nicht aus, dass das Gesundheitsministerium in der rot-roten Koalition künftig wieder von der SPD geführt werde. Der Skandal sei nicht nur eine riesengroße Belastung für die Koalition, sondern auch für die Verwaltung insgesamt, sagte Woidke.

In dem Skandal soll das Brandenburger Pharmaunternehmen Lunapharm jahrelang in Griechenland gestohlene Krebsmedikamente an Apotheken in mehrere Bundesländer ausgeliefert haben. Womöglich wurden die Medikamente falsch gelagert und die Wirkung fehlte. Obwohl die Behörden bereits 2016 erste Hinweise auf illegale Machenschaften hatten und die Staatsanwaltschaft ermittelte, wurden die Medikamente weder zurückgerufen noch der Firma das Weiterarbeiten untersagt.

Die seit 2014 amtierende Golze war nach eigenen Angaben lange Zeit nicht informiert worden. Sie galt als Hoffnungsträgerin der Linken in Brandenburg. Im März war sie zur Landeschefin der Linken gewählt worden und wurde bereits als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Herbst kommenden Jahres gehandelt. Der Medikamentenskandal könnte den steilen Aufstieg beenden.

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