Aus nach 66 Jahren

XS-Apotheke schließt: „Es war mein Elternhaus“ Carolin Ciulli, 16.12.2018 13:31 Uhr

Berlin - Lange hat Dr. Christian Machon mit sich gerungen. Der Entschluss, seine erste Apotheke zu schließen, fiel ihm schwer. Der Apotheker kündigte für kommendes Jahr den Mietvertrag der Kreuz-Apotheke im unterfränkischen Unsleben. „Das war mein Elternhaus. Mein Sohn ist dort geboren“, sagt der 44-Jährige, der mit der Region tief verwurzelt ist. Der Standort lohne sich aber schon länger nicht mehr. Nach seinen Angaben war es die nach Einwohnern kleinste Apotheke in Deutschland.

Die Kreuz-Apotheke ist in einem Fachwerkhaus auf einem Hügel in dem rund 950 Einwohner großen Dorf untergebracht. 1974 kamen Machons Eltern in den Ort. Er selbst übernahm den Betrieb 2003 nach seinem Studium in Würzburg und der Promotion von seinem Vater. Bis 2015 wohnte er in dem Haus, das der Gemeinde gehört. Vor allem die Verordnungen seien in den vergangenen Jahren weggebrochen: „Seit 2011 ist kein Arzt mehr in Unsleben. Vergangenes Jahr schloss die Praxis im Nachbarort. Ohne Arzt geht es nicht“, sagt der Apotheker.

Machon war schon länger klar, dass sich die Dorf-Apotheke nur noch rechnet, weil er selbst zwischen 60 und 70 Stunden inklusive Notdienst hinter dem HV-Tisch steht. „Ich habe vielleicht schon ein paar Jahre draufgezahlt.“ In den vergangenen Monaten sei der Gedanke gereift, den Standort zu schließen. Die Patientenströme hätten sich verändert. Mit dem Bau eines neuen vollversorgenden Standorts der Rhön-Kliniken in Bad Neustadt werde dieser Trend weiter gehen. Dort soll ein ambulantes Ärztezentrum samt Apotheke entstehen. „Ich sehe keine Entwicklungsmöglichkeiten für die Apotheke in Unsleben.“

Die Kreuz-Apotheke betreibt Machon seit drei Jahren als Filiale. 2007 übernahm er im sechs Kilometer entfernten Mellrichstadt die Hainberg-Apotheke, die er seit 2015 als Hauptapotheke führt. Im vergangenen Jahr eröffnete er im rund zehn Kilometer entfernten Bad Neustadt an der Saale eine Easy-Apotheke. An beiden Standorten sei die Situation anders. In die Dorf-Apotheke kämen pro Stunde vier bis fünf Kunden. „Ich habe hier auf dem Land kein Shopping-Erlebnis.“ An den beiden anderen Standorten gebe es mehr Laufkundschaft und der Anteil junger Mütter sei größer.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Digitalkonferenz

Freude über VISION.A Awards: Das sind die Gewinner»

VISION.A 2019

Start-up Audition: Virtuelle Realität gegen Parkinson»

VISION.A 2019

Schmidhubers Geschenk an die Menschheit»
Politik

Apothekenreform

DAV: Wasserdicht nachbessern»

VISION.A 2019

Mayer-Schönberger: „Der Durchschnittspatient ist tot“»

Rabattverträge

BPI: Kassen gefährden Patientenwohl»
Internationales

USA

Apothekenkette Shopko ist am Ende»

USA

Apothekenkette: Kahlschlag bei Rite Aid»

Österreich

Keine Zwangsmittagspause mehr für Apotheken»
Pharmazie

Medizinalhanf

Farmako will 50 Tonnen Cannabis importieren»

Risikobewertungsverfahren

EMA prüft 5-FU»

AMK-Meldung

Fenistil: Beipackzettel schlecht lesbar»
Panorama

In Münster haben sie eines ergattert

Apothekerin im Ü-Ei»

Schock in Braunschweig

Vermummter Täter überfällt Apotheke mit Pistole»

Tarifeinigung für Helios-Ärzte

Zweimal 2,5 Prozent mehr Geld»
Apothekenpraxis

Ausländische Apotheker

„Die haben ihre Approbation doch nicht im Lotto gewonnen“»

Fachkräftemangel

Arbeitsamt: Auf Apothekersuche im Ausland»

Ersatzkassen

DAK und KKH: Ausschreibung für 123 Lose»
PTA Live

Ausbildung in Tschechien und Bosnien

Hürden bei der PTA-Anerkennung: Bayerisch und Galenik»

PTA-Schule München

Premiere: Klassenraum wird Sterillabor»

Ausbildung

„PTA-Schüler bereuen Ausbildung nicht“»
Erkältungs-Tipps

Kleine Pflanzenkunde: Kampferbaum

Wissenswertes über Campher»

Hausmittel

Propolis: Heilmittel aus dem Bienenstock»

Die Erkältungsknolle

5 Tipps für den Einsatz von Ingwer»