Bayern

Wegen Easy-Apotheke: Machon legt Kammerjob nieder

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Berlin -

Erst Ende März hat Apotheker Christian Machon seine neue Easy-Apotheke in Bad Neustadt/Saal mit großem Tamtam eröffnet. Jetzt wirft das Mitglied im Vorstand der Bayerischen Landesapothekerkammer seinen Job als Standespolitiker hin – wegen der Easy-Apotheke. Die passt angeblich nicht zur Kammeroptik. Man habe ihn nicht gedrängt, beteuert Machon, keinen Druck ausgeübt. Aber lange Diskussionen gab es schon, ob sich das in der Standespolitik immer noch vorherrschende Discount-Image für einen Kammervorstand gezieme.

Letzten Montag wurde nochmals im Kammervorstand kritisch diskutiert. Am Donnerstag hat Machon die Konsequenzen gezogen und per Brief sein Amt als Vorstand mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Machon, der im unterfränkischen Unsleben mit der Kreuz-Apotheke und in Mellrichstadt mit der Hainberg-Apotheke zwei klassische Apotheken betreibt, steht am neuen Standort zum Easy-Konzept: „Das passt hier hin“, sagt Machon.

20 Meter entfernt liegt ein Kaufland-Supermarkt und gleich neben ihm ein Sportgeschäft mit großer Babyabteilung. Außerdem habe ihm bei der Größe der Apotheke die Zusammenarbeit mit Easy die Gründung erleichtert. Seine dritte Apotheke ist 300 Quadratmeter groß. „Mit der Kooperation im Rücken war die Ausstattung der Apotheker sehr viel einfacher zu stemmen“, so Machon.

„Liebes Präsidium“ schrieb Machon am Donnerstag an seine Vorstandskollegen, die „Diskussion der letzten Vorstandssitzung ging nicht spurlos an mir vorüber“. Als freier Apothekeninhaber treffe er täglich wirtschaftliche Entscheidungen. Die Freiheit neben seinen beiden Apotheken eine weitere zu eröffnen und sich in dieser „Beschränkungen einer Kooperation zu unterwerfen, gehört für mich dazu“. Seine Entscheidungen basierten auf der Situation vor Ort.

„Was ich allerdings auf keinen Fall beabsichtigt habe, die politische Arbeit der Bayerischen Landesapothekerkammer zu erschweren und eventuell Werbeträger einer Firma oder einer wirtschaftlichen Organisation zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies möglich sein kann, sehe ich nach der Diskussion der Vorstandssitzung gegeben. Aus diesem Grund lege ich mein Amt als Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesapothekerkammer und die damit verbundenen Mandate mit sofortiger Wirkung nieder“, so der Brief. Er denke mit Freude an die gemeinsame Zeit und „wünsche jedem von Euch viel Kraft und Erfolg für die zukünftigen Aufgaben.

Machon war seit 2010 im Vorstand der Apothekerkammer tätig und ist auch in der bayerischen Kommunalpolitik kein Unbekannter. Der Apotheker ist Mitglied in der CSU. CSU-Bundestagsabgeordnete seines Wahlkreise ist Dorothee Bär (CSU), derzeit parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, mit Ambitionen auf noch einflussreichere Posten. Auch zur SPD-Arzneimittelexpertin Sabine Dittmar hat Machon gute Kontakte.

Die Eröffnung seiner Easy-Apotheke feierte Machon drei Tage lang mit „kostenlosen und erfrischenden Drinks an unserer Smoothie-Bar“. Gewinnspiele in der Cash-Box und „tolle Preise“ rundeten das Programm ab. „Wir freuen uns auf vier fantastische Tage mit euch! PS: Beim verkaufsoffenen Sonntag sind wir natürlich auch schon mit dabei!“, ließ er seine Umgebung wissen. Ob das zu Marktschreierisch war, wer weiß?

Allerdings: Seine Kreuz-Apotheke liegt im nördlichen Bayern im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld im kleinen Unsleben. Der Ort zählt nur rund 950 Einwohner. Damit betreibt Machon womöglich gemessen an der Einwohnerzahl die kleinste Apotheke in Deutschland.

Machon ist tief verwurzelt mit seinem Heimatort. Die Kreuz-Apotheke hat er nach seinem Studium in Würzburg und der Promotion 2003 von seinem Vater übernommen. Er beschäftigt dort fünf Mitarbeiter. In Unsleben ist Machon ein vertrautes Gesicht. „Ich kenne 90 Prozent meiner Kunden, die meisten duzen mich“, sagt er. Das liege auch daran, dass seine Mutter früher als Bürgermeisterin der Gemeinde tätig war.

„Egal was passiert, ich werde dem Ort mein Lebtag verbunden sein.“ Auch seine Frau kommt aus der Region und ist ebenfalls vielen Bürgern bekannt. Machon wird oft auf der Straße angesprochen. 2007 erweiterte Machon und übernahm in Mellrichstadt die Hainberg-Apotheke, die er seit 2015 als Hauptapotheke führt.

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