Lieferengpässe wegen Coronavirus

„Bisher sind wir immer davongekommen, vielleicht auch diesmal“ Tobias Lau, 12.02.2020 10:13 Uhr

ADHOC: Wie lang ist die durchschnittliche Verzögerung – wie lange dauert es also, bis ein Hersteller hierzulande in der Produktion spürt, dass kein Nachschub mehr aus den betroffenen Gebieten kommt?
HOSSEINI: Es gibt definitiv Verzögerungen, insbesondere dort, wo wir mehrstufige Prozesse haben. Die Spannen weichen aber deutlich voneinander ab, beispielsweise sind es beim einen Hersteller drei, beim anderen sechs Monate bis er es spürt. Momentan haben die Hersteller noch keine Probleme durch verschärfte Engpässe. Aber sie sind sich auf der anderen Seite auch bewusst, dass sie einen möglichen Engpass nur sehr vorsichtig in die Öffentlichkeit kommunizieren können.

ADHOC: Wie ist da der Informationsstand bei den Herstellern?
HOSSEINI: Für Alarmismus gibt es im Augenblick definitiv noch keinen Grund. In Gesprächen mit den Herstellern hören wir, dass sie gut auf einen zeitlich begrenzten Ausfall an Lieferungen vorbereitet sind. Aber die Situation darf auf keinen Fall kleingeredet werden. Wenn der Ausfall länger dauert, wird es problematisch und eine quick fix Lösung wird es dann nicht geben. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Europa seine Abhängigkeit reduziert.

ADHOC: Neben der Diskussion über die Ursachen steht gerade vor allem die Frage nach der Nachvollziehbarkeit der Lieferketten im Raum. Sind die zu intransparent?
HOSSEINI: Wenn sie ein Arzneimittel in die Hand nehmen und nach dem Herstellungsort suchen, wird im Beipackzettel stehen, dass es in Deutschland oder in Europa produziert wurde. Das ist der Regelung geschuldet, dass per Nomenklatura der letzte Zusammensetzungspunkt als Herstellungsort gilt. Die Verengung der Produktion ist aber bei den Vorstufen – und wenn man da nicht beliefert wird, kann man auch nichts mehr verpacken.

ADHOC: Aber warum sind Lieferketten so schwer nachzuvollziehen?
HOSSEINI: Da kann man auf andere Industrien verweisen. Transparenz kommt durch Regulierung, reguliert wird jedoch fast nur der letzte Schritt. Woher ein Hersteller seine Wirkstoffe bezieht, ist auch ein wettbewerbliches Thema: Wer bezieht zu welchen Konditionen von wem seine Wirkstoffe? Reguliert der Gesetzgeber die Offenlegungspflichten, greift er auch in die Competitive Intelligence der Firmen ein. Sie würden auch von Automobilkonzernen nicht hören, von welchem Zulieferer und zu welchem Preis sie welche Schrauben beziehen.

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