Sachsen: Angestellte müssen auf Tarifvertrag warten | APOTHEKE ADHOC
Gehaltsverhandlungen

Sachsen: Angestellte müssen auf Tarifvertrag warten

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Berlin -

Apothekenangestellte sind gefragt. Der Fachkräftemangel bringt Mitarbeiter bei Gehaltsverhandlungen in eine komfortable Situation. Viele können sich mit ihrem Chef auf einen Lohn über Tarif einigen. In Sachsen gibt es seit über 20 Jahren keinen Tarifvertrag. Im kommenden Jahr könnte es erste Verhandlungen geben.

Der Sächsische Apothekerverband (SAV) ist 1997 aus dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheker (ADA) und damit aus der Tarifgemeinschaft ausgetreten. Im Freistaat verdienen Apothekenmitarbeiter laut einer aktuellen Adexa-Tarifumfrage nur 95 Prozent des bundesweit ausgehandelten Gehalts. Demnach stagniert der Lohn auf dem Niveau von 2016.

Enno Bernzen, Geschäftsführer des SAV, ist von dem Ergebnis nicht überrascht. Er verweist auf das generelle Gehaltsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland. Der Umfrage zufolge liegen die neuen Bundesländer ganz hinten. Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen verdienen Mitarbeiter unter Tarif. In Mecklenburg-Vorpommern erhalten Angestellte aktuell 1 Prozent mehr. „Wir sagen unseren Mitgliedern, es sei sinnvoll, sich bei den Löhnen am Tarifvertrag zu orientieren.“ Wie es letztlich im Einzelfall aussehe, sei Verhandlungssache.

Der SAV stieg aus dem Vertrag wegen strukturellen Besonderheiten wie der hohen Quote an Pharmazieingenieuren in dem Bundesland aus. Bereits vor knapp einem Jahr kam Bewegung in neue Verhandlungen. Erste Gespräche mit der Apothekengewerkschaft Adexa wurden aufgenommen. Zunächst hieß es, man strebe wie in Nordrhein eine eigenständige Lösung an. Die Aufnahme neuer Verhandlungen sei „mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gegeben“, so Bernzen. Konkret festlegen will er sich jedoch nicht.

Der Geschäftsführer verweist auf bürokratische Hürden. Zunächst musste der Verband die Satzung ändern. Die Gründung einer Tarifkommission sei eingetragen worden. Zuvor sei die Satzung „schwammig“ formuliert gewesen. Im Dezember stehe die Vorstandswahl an. Nach der Auszählung könne eine Tarifkommission gebildet werden. Das werde mit hoher Wahrscheinlichkeit in den ersten drei Monaten 2019 geschehen. „Wie sie handelt, steht nicht fest.“ Ende des ersten Quartals werde die Entscheidung vorliegen, ob Verhandlungen aufgenommen werden, so Bernzen.

Die Adexa ist über den aktuellen Stand informiert und zuversichtlich. „Der SAV hatte uns geschrieben, dass er satzungsgemäß seine Tarifkommission erst im 1. Quartal 2019 besetzen wird. Danach geht es dann voraussichtlich gleich los“, sagt eine Adexa-Sprecherin. Die Annäherung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten. Vor knapp einem Jahr suchte der Verband bereits nach ehrenamtlichen Mitgliedern für die Tarifkommission.

Ende August einigten sich Adexa und ADA auf ein Lohnplus von 3 Prozent. Die Erhöhung gilt füralle Apothekenberufe und in allen Berufsjahresgruppen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 16 Monaten und gilt für alle Kammerbezirke mit Ausnahme von Nordrhein und Sachsen.

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