Zyto-Apotheken: Kasse sieht „gefährliche Freiräume“

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Berlin - Der mutmaßliche Pfusch-Apotheker aus Bottrop ist gerade erst angeklagt, schon werden Forderungen nach mehr Transparenz laut. Möglich wurde der „ungeheuerliche Skandal“ nach Ansicht von Winfried Baumgärtner, Vorstand der Mhplus-Krankenkasse, auch aufgrund einer Gesetzeslage, die den Apothekern bei der Herstellung und Abgabe von Zytostatika offenkundig gefährliche Freiräume beschert.

„Das Geschehen muss im Detail aufgeklärt werden, doch die entscheidende Frage ist nun, wie ähnliche Fälle in Zukunft verhindert werden können“, so Baumgärtner. Derzeit sehe das Verfahren bei der Herstellung und Abgabe von Zytostatika kaum Kontrollmechanismen durch Außenstehende vor: So beauftrage der Onkologe eine Apotheke mit der Herstellung der verordneten Rezeptur. Die Apotheke füge die Wirkstoffe in der gewünschten Dosierung zusammen und beliefere den Arzt, der das Medikament an den Patienten weitergebe. Die Krankenkassen erhielten die Rechnung der Apotheke und bezahlten.

„Ein Generalverdacht gegen die Apotheker besteht nicht. Dennoch benötigen wir zum Schutz der Patienten in Zukunft mehr Transparenz und Kontrolle. Eine patientenbezogene Nachweispflicht und lückenlose Dokumentationskette über die durch die Apotheker bezogenen und verwendeten Zytostatika könnte dies leisten“, so die Überzeugung Baumgärtners. Im Fall des Bottroper Apothekers hätte eine solche Dokumentation aufgezeigt, dass weit weniger Wirkstoffe eingekauft wurden, als die abgegebenen Mischungen hätten beinhalten sollen.

Die Mhplus gehört zu den geschädigten Kassen. Sie arbeitet nach eigenen Angaben eng mit der Staatsanwaltschaft Essen zusammen. Diese hatte erst gestern Anklage gegen den 47-jährigen Apotheker Peter S. erhoben.

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