Merkel-Nachfolge

Spahn bei den Wählern weit abgeschlagen

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Berlin -

Der Weg ins Konrad-Adenauer-Haus ist holprig: Jens Spahn liegt in der Gunst der Wähler offenbar weit abgeschlagen hinter seinen zwei Hauptkonkurrenten um den CDU-Vorsitz – und bei den Parteianhängern sieht es nicht besser aus. Laut einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen würde die Mehrheit der Deutschen Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin bevorzugen. Auch von Spahns Ambitionen auf das Kanzleramt hält das Wahlvolk anscheinend wenig.

Ginge es nach dem Willen der Deutschen, hätte Spahn offenbar schlechte Aussichten, am 7. Dezember CDU-Vorsitzender zu werden. Ergebnissen der Forschungsgruppe Wahlen zufolge würden sich nur 6 Prozent der Wahlberechtigten den Bundesgesundheitsminister als Merkel-Nachfolger an der Parteispitze wünschen. Unter den CDU-Anhängern sieht es für ihn nur minimal besser besser aus, hier sind es 7 Prozent.

Das Mannheimer Institut für Wahlanalysen hatte 1200 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt. Von denen hatte sich eine relative Mehrheit von 31 Prozent für Kramp-Karrenbauer als Merkel-Nachfolgerin ausgesprochen. Friedrich Merz würden 25 Prozent befürworten. Unter den CDU-Anhängern ist der Abstand geringer: Hier stimmten 35 Prozent für die bisherige CDU-Generalsekretärin und 33 für den Politik-Wiedereinsteiger. 23 Prozent der Wahlberechtigten sagten in der Umfrage, ihnen sei egal, wer CDU-Chef wird; unter den CDU-Anhängern waren es immerhin noch 14 Prozent.

Auch bei der Frage nach der Eignung als Kanzler schneidet Spahn mit Abstand am schlechtesten ab. 58 Prozent der Befragten sagen, er sei nicht für das Amt des Regierungschefs geeignet, nur 17 Prozent würden es ihm zutrauen. Auch Merz würde die Mehrheit das Kanzleramt nicht anvertrauen, doch sind die Verhältnisse hier viel knapper: 39 Prozent halten ihn für ungeeignet, 35 Prozent für geeignet. Das Vertrauen einer relativen Mehrheit hätte lediglich Kramp-Karrenbauer: 41 Prozent halten die Merkel-Vertraute aus dem Saarland für geeignet und 35 Prozent für ungeeignet.

Zumindest den Rückhalt seines Heimatverbandes hat Spahn bisher. Am Freitagabend will ihn die CDU Borken für den Bundesvorsitz nominieren. Damit wäre er nach Merz und Kramp-Karrenbauer der dritte Kandidat, der offiziell nominiert wurde. Bisher haben zwölf CDU-Mitglieder öffentlich angekündigt, dass sie kandidieren wollen. Spahn ist Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Borken mit seinen rund 4800 Mitgliedern. Bei einer nicht öffentlichen Sitzung um 17 Uhr will der Vorstand Spahn in dessen Anwesenheit nominieren. Auch wenn Merz offiziell von der CDU Fulda nominiert wurde, will sich der Landesverband Nordrhein-Westfalen nicht auf eine Empfehlung für einen Kandidaten festlegen – sowohl Spahn als auch Merz kommen aus NRW. Von der harten Konkurrenz will Spahn sich jedenfalls nicht abschrecken lassen. Gegenüber Journalisten betont er immer wieder, er freue sich auf den Wettbewerb. Die CDU werde in den kommenden Wochen zeigen, wie innerparteiliche Demokratie gehe, sagte er am Freitag der Funke-Mediengruppe. Sein Angebot sei ein Generationenwechsel.

Der Gesundheitsminister gilt seit langem als konservativer Merkel-Kritiker. Sollte er es schaffen, mit der Hilfe seines Vertrauten Marc Degen die Parteispitze zu erklimmen, wolle er aber dennoch einträchtig mit der Kanzlerin zusammenarbeiten, kündigte er am Freitag an. „Ich würde mit ihr als Vorsitzender so vertrauensvoll zusammenarbeiten wie bisher. Da besteht kein Zweifel, bei mir nicht und bei ihr nicht“, sagte der 38-Jährige der Funke-Mediengruppe. Von möglichen Neuwahlen halte er hingegen nicht viel, diese wären aus seiner Sicht „ein großer staatspolitischer Fehler.“

Merkel könne stattdessen auch nach ihrem Abgang von der CDU-Spitze noch bis Ende der Legislaturperiode Regierungschefin bleiben. „Warum nicht? Angela Merkel ist bis 2021 als Bundeskanzlerin gewählt“, so Spahn. Die Entscheidung über ihre Nachfolge soll am 7. Dezember auf dem Parteitag in Hamburg fallen. Bis dahin gehen die drei Hauptkonkurrenten bei acht geplanten Regionalkonferenzen und Treffen mit verschiedenen Interessengruppen innerhalb der Partei wollen die Kandidaten bis dahin Boden gewinnen. Am Freitag präsentieren sie sich das erste Mal gemeinsam bei der Frauen-Union in Berlin.

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