Kommentar

Spahn-Kandidatur: Und nun, Apotheker? Lothar Klein, 29.10.2018 15:00 Uhr

Berlin - 18 Jahre hat Angela Merkel die CDU dominiert, die konservative Traditionspartei nicht nur aus den Wirren der Spendenaffäre von Altkanzler Helmut Kohl geführt, sondern ihr ein modernes Frauen- und Familienbild verpasst. Als Kanzlerin hat sie der Union über 13 Jahre Macht und Einfluss gesichert. Ihr Abgang in Raten wirbelt die Politik auf. Auch die Apotheker stürzt Merkels Rückzug in neue Unsicherheiten, kommentiert Lothar Klein.

Merkels Rückzug vom Parteivorsitz markiert das Ende einer weitgehend erfolgreichen Ära. Zugleich startet das Schaulaufen der Kandidaten. Gut möglich, dass es erstmals in der Geschichte der CDU zu einer Wahl zwischen mehreren Kandidaten mit verschiedenen politischen Ansichten kommt. Das verspricht nicht nur Spannung.

Mit ihrer Entscheidung, Parteivorsitz und Kanzlerschaft aufzuteilen, geht Merkel ein großes Wagnis ein, das ihrer weltweiten Reputation als Politikerin noch schweren Schaden zufügen kann. Ab sofort ist die erste Frau im Kanzleramt nur noch eine „lame Duck“. Weil ihr die Instrumente zur Durchsetzung politischer Entscheidungen fehlen, dürfte es einsam um sie herum im Kanzleramt werden.

In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gibt es mit Ralph Brinkhaus seit wenigen Wochen bereits ein neues Machtzentrum. Die überraschende Abwahl von Volker Kauder war der erste Hinweis auf den Machtverlust der Kanzlerin in den eigenen Reihen. Die Aufspaltung von Parteivorsitz und Regierungsamt schwächt Merkels Position weiter, weil auch das Adenauer-Haus künftig mitregieren will. Als gelernte Physikerin ist Merkel für ihre emotionslosen Analysen und Entscheidungen bekannt. Hier hat es allerdings den Anschein, als klammere sich sich wider besseren Wissens an den Regierungssessel. Das wird vermutlich nicht lange gelingen.

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