Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nutzt den morgigen Tag der Patientensicherheit für den Hinweis: „Ärztliche Versorgung gehört nicht in die Apotheke oder in die Drogerie! Wer Patientensicherheit gewährleisten will, muss auch dafür sorgen, dass die Behandlung in den Händen der Profis verbleibt – und damit in den Praxen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen.“
Wer ärztliche Versorgung weiter auslagere, riskiere Menschenleben, so die dringende Warnung des KVWL-Vorstandsvorsitzenden Dr. Dirk Spelmeyer. „Um es klar zu sagen: Diagnostik hat in der Drogerie oder in der Apotheke nichts verloren! Ein Befund ohne eine vernünftige ärztliche Einordnung ist für die Patientinnen und Patienten völlig wertlos. Das hat mit einer guten und effizienten ambulanten Versorgung nichts mehr zu tun!“
Zwar brauche es im Rahmen eines Primärarztsystems eine bessere Steuerung der Patient:innen, aber die Antwort dürfe „nicht ein zerstückeltes Versorgungsangebot zweiter Klasse sein“.
„Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bilden seit Jahrzehnten eine verlässliche und feste Säule im deutschen Gesundheitswesen. Das wird zum Beispiel in jeder Grippesaison eindrucksvoll deutlich. Dabei ist die Impfung mehr als ein kleiner Piks in den Oberarm“, ergänzt Anke Richter-Scheer, stellvertretende KVWL-Vorstandsvorsitzende. Aufklärung und Beratung kämen hinzu – für eine vernünftige Impfanamnese sei eine ärztliche Ausbildung notwendig. „Kurzum: Das Impfen gehört in die Praxen!“
„Mit einem umfangreichen Versorgungsangebot schützen die Praxisteams uns als Gesellschaft vor schweren und möglicherweise tödlich endenden Infektionsverläufen“, heißt es zudem. „Wir dürfen an dieser Stelle nicht leichtfertig mit der Patientensicherheit spielen. Diagnostik und Therapie zählen zu den Kernaufgaben des ärztlichen Berufs. Schnelltests und Blutentnahmen haben in der Apotheke nichts zu suchen“, so Spelmeyer nachdrücklich.
„Und wer glaubt, dass die Apotheken plötzlich zu einer tragenden Säule der Notfallversorgung werden, der irrt! Patienten sollen mitten in der Nacht nach einer noch geöffneten Apotheke suchen? Das geht völlig an der Versorgungsrealität vorbei! Der wirtschaftliche Druck auf die Apotheke vor Ort hat durch den Online-Versandhandel sicher zugenommen. Aber finanzielle Herausforderungen dürfen doch nicht auf dem Rücken der Patienten kompensiert werden. Das sollte eigentlich auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann erkennen und solche absurden Entwürfe ad acta legen. Der eingeschlagene Weg ist ein Irrweg!“
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