Deutscher Apothekertag

Abda-Geschäftsbericht: „Wir hatten immer einen Plan“

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München -

Das Thema des vergangenen Jahres war die Apothekenreform. „Das wichtigste Reformpaket seit einigen Jahren für die Apothekerschaft“, erklärte Franziska Erdle, Hauptgeschäftsführerin der Abda, in ihrem Lagebericht beim Deutschen Apothekertag (DAT). Hier habe die Abda mit ihrer Strategie klare Erfolge verbuchen können, und auch bei anderen Fragestellungen sei man vorangekommen. Allerdings gebe es noch viele Herausforderungen zu bewältigen.

Gesetzgebungsverfahren seien volatil. Teils habe sich die Situation stündlich geändert. In diesen Situationen müsse man schnell sein, betonte sie. Man sei teilweise nicht mehr bei Plan B oder C, sondern bei Plan U oder V gewesen. „Aber ganz wichtig: Wir hatten immer einen Plan“, betonte Erdle. Die Maßnahmen bezüglich Adressat, Botschaft und Zeitpunkt seien zielgenau gesetzt worden, um damit die größtmögliche Wirkung zu entfalten.

Man habe neue Wege beschritten, zum ersten Mal eine Petition gestartet, die erfolgreich gewesen sei. Um die Vertretung durch PTA zu regeln, habe man eine strategische Allianz mit dem BVpta geschlossen: „Ja zur Weiterqualifizierung, nein zur Vertretung – und das war wichtig, weil wir der Politik damit zeigen konnten: Wollt ihr wirklich eine Regelung beschließen, die gegen den Willen aller Beteiligten ist?“ Das Ergebnis hier sei zwar besser geworden, aber nicht gut ausgefallen. Die Vertretungsregelung sei nicht vollständig aus dem Gesetz verschwunden, aber immerhin habe man sie entschärfen und befristen können. Im Haus werde gerade daran gearbeitet, wie die Weiterqualifizierung der PTA ausgestaltet werden könne, sodass die Vertretungsregelung in fünf Jahren auslaufen kann.

„Für den Erfolg brauchte man vor allem eins: Sie“, betonte sie. „Am 23. März sind Sie alle gemeinsam auf die Straße gegangen, bundesweit.“ Das sei eine der intensivsten Erfahrungen gewesen. „Das hat mich tatsächlich beeindruckt: Die Apothekerschaft kann mobilisieren und geschlossen handeln, und wenn sie das tut, dann wird sie gehört“, so Erdle.

Trotz all dieser Erfolge habe man außerdem den erhöhten Kassenabschlag im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) nicht verhindern können.

Ausarbeitung der pDL

Damit die neuen Leistungen aus dem ApoVWG in den Apotheken angeboten werden können, müssten diese vorbereitet werden. „Sie müssen praktisch umsetzbar sein und den Patientinnen und Patienten verständlich vermittelt werden. Deshalb haben die Kolleginnen und Kollegen im Haus bereits intensiv an der Umsetzung gearbeitet“, erklärte sie.

Das Interesse sei da und das Angebot sei da. Man wolle sich aber nicht ausruhen, sondern habe bereits neue Vorschläge für weitere pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) erarbeitet, die in den Diskussionsprozess für ein Primärversorgungssystem eingebracht würden.

Beispiele seien die pharmazeutische Betreuung nach Krankenhausentlassung, die OTC-Versorgung von Kindern im Apothekennotdienst oder die Begleitung in besonderen Lebensphasen. „Wir wollen auch beim Thema Primärversorgung die Lage aktiv mitgestalten.“ In einer Zeit, in der die Arztpraxen überlastet seien und die Wartezeiten immer länger würden, sei es fahrlässig, die Kompetenz der Vor-Ort-Apotheken nicht stärker zu nutzen. „Unser Ziel ist deswegen klar: Primärversorgung muss über die Apotheke gedacht werden.“

Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband

Neue Versorgungsangebote seien gut, aber sie müssten sich auch finanziell lohnen. Auch bei den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband habe man im vergangenen Jahr Erfolge erzielen können, zum Beispiel bei der assistierten Telemedizin. So seien die Kassen zu Beginn der Verhandlungen mit einem Pauschalbetrag von gerade einmal 5,45 Euro in die Verhandlungen gestartet. Zwar sei die Vergütung im Endeffekt vor der Schiedsstelle gelandet und eine degressive Vergütung festgelegt worden. „Doch die 30 Euro Anfangsvergütung sind doch wirklich erfreulich weit über den Vorstellungen der GKV.“

Ein weiteres Beispiel sei die Dynamisierung der Vergütung für die Grippe- und Covid-19-Impfung und der Sichtbezug in der Substitutionsversorgung. All diese Erfolge seien kein Schlusspunkt, da die Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband eine Daueraufgabe seien.

Krisenresilienz

„Wenn man über die Lage spricht, dann gibt es auch Lagen, von denen wir uns alle wünschen, dass sie nicht eintreten werden“, so Erdle. Man habe sich der Sache angenommen und wolle die Apotheken strukturiert auf den nächsten Stromausfall, die nächste Pandemie und sogar einen plötzlichen militärischen Krisenfall vorbereiten. Dazu gehöre auch der Aufbau eines Kontaktnetzwerkes zu den Partnern aus dem Gesundheitswesen, aber auch in der Bundeswehr.

„Wir dürfen aber nicht nur gucken, was in Deutschland passiert, sondern müssen den Blick auch nach draußen richten“, erklärte sie. Deshalb sei der Abda-Vorstand auch in Brüssel aktiv. Stichwort sei hier der ausländische Versandhandel.

„Wir bewegen uns tatsächlich bei diesem Thema in einem Bermuda-Dreieck“, so Erdle. Einem Bermuda-Dreieck aus mangelnder nationaler Durchsetzungskraft, fehlenden grenzüberschreitenden Kompetenzen und den Anforderungen des Binnenmarktes. „Die Folge ist ein andauernder und fortgesetzter Rechtsbruch der ausländischen Versender. Und das ist eine Lage, die wir schlichtweg nicht hinnehmen werden und nicht hinnehmen dürfen.“ Die Patientinnen und Patienten müssten sich darauf verlassen können, dass für alle Anbieter dieselben Anforderungen an Qualität und Arzneimittelsicherheit gelten und auch durchgesetzt würden.

„Die Apotheken vor Ort müssen sich doch darauf verlassen können, dass der Wettbewerb fair ist und nicht durch Zuzahlungsrabatte verzerrt wird. Deswegen haben wir in Brüssel ganz deutlich gemacht: Der europäische Binnenmarkt darf kein Deckmäntelchen für den Rechtsbruch sein.“

Auch in der Digitalisierung gehe die Abda konsequent weiter und arbeite nun auch mit KI, lobte sie. „Wir haben ein KI-Playbook entwickelt und Workshops gemacht.“

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