Modellprojekt Grippeschutzimpfungen

Niedersachsen: LAV-Führung impft sich gegenseitig

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Berlin -

In Niedersachsen ist das nächste Modellprojekt zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken nun auch offiziell angelaufen. Vor allem Patienten in Risikogruppen sollen so leichter erreicht werden, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbandes Niedersachsen (LAV), Berend Groeneveld. Und zu denen gehört er selbst: Groeneveld ließ sich direkt von LAV-Vorstandsmitglied und -Patientenbeauftragten Ina Bartels impfen.

„Mit dem Modellprojekt wollen wir die Risikopatienten erreichen, die bislang nicht von den Arztpraxen erreicht wurden“, erklärt Groeneveld. „Dazu gehören Menschen ab 65 aufwärts, die den Gang zum Arzt bislang scheuten oder auch gar keine Arztkontakte haben. Ebenfalls für berufstätige Risiko-Patienten, die es aus zeitlichen Gründen nicht immer in die ärztlichen Sprechstunden schaffen, kann das Angebot eine gute und sichere Alternative sein.“ Seit diesem Jahr gehöre er selbst zur Risikogruppe und habe sich deshalb erstmals selbst impfen lassen.

Wie bei den anderen Modellprojekten in Nordrhein, dem Saarland und der Oberpflaz auch werden die an dem Projekt teilnehmenden Apotheken mit zwei Seminaren auf das Impfen vorbereitet. Zunächst müssen sie Schulungen der Apothekerkammer absolvieren, eine Kombination aus Theorie- und Praxisunterricht in enger Zusammenarbeit mit Ärzten. „Im Praxisteil zeigt ein Arzt, wie das Ansetzen der Spritze und das Impfen funktioniert“, berichtet Bartels. „Dann wird das Spritzen geübt, entweder mit Kochsalzlösung untereinander, was freiwillig war, oder an einem Impfarm-Dummy.“ Eine weitere Voraussetzung für die teilnehmenden Apotheken ist der Beitritt der Vereinbarung, die der LAV und die AOK Niedersachsen getroffen haben. Im Rahmen des Projekts können deshalb nur volljährige AOK-Patienten geimpft werden. Die teilnehmenden Apotheken sind durch ein Plakat am Schaufenster erkennbar oder können bei der Kasse erfragt werden.

Groeneveld hoffe, dass viele Risikopatienten sich für diese Grippesaison noch gegen Grippe impfen lassen werden, egal ob beim Arzt oder im Rahmen des Modellprojekts: „Nachdem im Frühherbst die Nachfrage an Grippeschutzimpfungen hoch war und auf dem Markt keine Impfstoffdosen verfügbar waren, erleben wir derzeitig wieder ein sinkendes Interesse“, sagt er. Durch die Nationalreserve der Bundesregierung seien genug Einzeldosen für die Apotheke wieder vorrätig, sodass die Belieferung der Arztpraxen mit Großpackungen gewährleistet sei und es zu keiner Konkurrenz mit den Arztpraxen kommen könne. „Wir übernehmen den Auftrag der Politik gerne, gemeinsam mit den Ärzten den Infektionsschutz der Bevölkerung zu verbessern.“ Nach derzeit geltender wissenschaftlicher Meinung könne eine durchgeführte Grippeimpfung den Krankheitsverlauf einer eventuellen Covid-19-Erkrankung abmildern. „Die Grippe ist eine sehr ernstzunehmende Krankheit“, so Groeneveld. „Ich kann Risikopatienten nur empfehlen, sich gegen Influenza impfen zu lassen.“

Die rechtlichen Grundlagen für das Modellprojekt hatte die Kammer schon im April bereitet. Damals hatte die Kammerversammlung die bisherige Berufsordnung mit ihrem Verbot der Heilkunde angepasst. Die Leitlinien des Deutschen Apothekerverbands (DAV) und das Curriculum der Bundesapothekerkammer (BAK) folgten dann im Juni. Niedersachsen ist zumindest nach Fläche die größte der vier Impf-Modellregionen.

Dank des späteren Beginns des dortigen Projekts, können die Niedersachsen Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen, mit denen sich die Apotheken in den anderen drei Modellregionen herumschlagen mussten. Dort stand zwar zum anvisierten Projektbeginn alles bereit – doch es mangelte massiv an Impfstoffen. In Nordrhein wurde deshalb die Werbung für das Projekt eingestellt, in der Oberpfalz wurde sogar der Beginn verschoben. Die Versorgungsengpässe hatten das Modellprojekt schlicht überschattet. „In den vergangenen beiden Wochen ist das das dominierende Thema, wir erhalten viele Presseanfragen und Anfragen von Kollegen. Von daher stellt sich die Frage momentan gar nicht, den Startschuss zu geben“, so ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands (BAV).

In Nordrhein, wo das Projekt bereits angelaufen war, stellten die Engpässe die teilnehmenden Apotheken gar vor schwierige Entscheidungen. Denn selbst wenn Apotheken noch an Impfstoff kommen, stellt sich die Frage, wie sie damit umgehen sollen. „Wenn rundherum alle Ärzte nicht mehr impfen können, weil sie kein Impfstoff mehr haben, und ich habe etwas zurückgelegt und fange jetzt an, dann tut das dem Verhältnis vielleicht nicht so gut, selbst wenn es ein entspanntes ist. Das muss man bedenken, finde ich“, gibt Verbandsvize Doris Schönwald zu bedenken.

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