Interview Erik Tenberken (DAH²KA)

HIV-Versorgung vor dem Kollaps

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ADHOC: Wie muss man sich das vorstellen?
TENBERKEN: Unser Markt ist relativ umgrenzt. Es gibt etwa 30 Präparate, darunter einige Goldstandards wie Truvada oder Combivir, die sozusagen das Rückgrat der Versorgung darstellen. Diese Produkte sind höherpreisig, sodass der Großhandel daran kein Interesse hat. Aber selbst wenn man einen Anbieter findet, riskiert man mit der Bestellung dieser höherpeisigen Präparate bis 1200 Euro seinen Packungsdurchschnitt und damit einen Malus für den gesamten Einkauf.

ADHOC: Bleibt das Direktgeschäft.
TENBERKEN: Wir kaufen seit Jahren gemeinsam ein und helfen uns nicht nur gegenseitig, sondern auch kleineren Apotheken, die sich das nicht leisten können. Aus unserer Sicht sollten alle Apotheken in der Lage sein, HIV-Patienten zu versorgen und nicht nur einige wenige Spezialanbieter. Gleichzeitig haben wir so die Möglichkeit, die Herkunft selbst zu kontrollieren und Fälschungen auszuschließen. Aber wirtschaftlich interessant ist das nicht: Die Hersteller haben die Skonti massiv gekürzt, die Retourenregelungen sind eine Katastrophe. Wir müssen also in Vorleistung gehen, um überhaupt die Versorgung zu gewährleisten. Das kann es doch nicht sein.

ADHOC: Wie kommt es zu Lieferengpässen?
TENBERKEN: Gerade die teuren und seltenen Präparate produziert die Industrie vielfach auf Forecast. Da können die derzeit steigenden Neuinfektionen oder -diagnosen schnell zum Problem werden. Aber gerade Spezialpräparate müssen oft kurzfristig verfügbar sein. Ich hatte in dieser Woche eine Verordnung von Prezista als Suspension für einen Patienten im Endstadium, der die Tabletten nicht mehr schlucken kann. Das Präparat war in Deutschland nicht vorrätig und musste erst per Sonderbote aus Belgien beschafft werden.

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