Baden-Württemberg

KV will eigene Praxen betreiben dpa, 12.03.2018 16:31 Uhr

Berlin - Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Baden-Württemberg sieht sich im Kampf gegen den Ärztemangel gezwungen, eigene Hausarztpraxen zu betreiben. 20, 30 solcher Praxen im Südwesten halte er für realistisch, sagte Vize Dr. Johannes Fechner. „Das ist eine Notfallmaßnahme für einen begrenzten Zeitraum“, erläuterte Vorstandschef Dr. Norbert Metke. In Ostdeutschland gebe es das Modell schon seit Jahren, wobei in etlichen Fällen die von der KV angestellten Ärzte schließlich die Praxis übernähmen.

Mit dieser Neuerung wird laut KV im Südwesten bereits in diesem Jahr begonnen - wo genau, gab sie nicht bekannt. Die betroffenen Kommunen wünschten das nicht, denn sie sähen darin einen Standortnachteil. Rückenwind bekamen die Kassenärzte von Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Er forderte überdies von der neuen Bundesregierung eine bundeseinheitliche Lösung, um Klinik- und Praxisversorgung sowie Pflege und andere Gesundheitsdienstleister besser zu verzahnen.

Der ungewöhnliche Schritt der KV gehört zu einem millionenschweren Masterplan. Dieser soll helfen, mit den bereits jetzt 500 vakanten Hausarztstellen - und weiteren 500 in den kommenden fünf Jahren - umzugehen. So sollen Übernahmen und Neugründungen von Praxen sowie die Anstellung von Ärzten in schlecht versorgten Gebieten gefördert werden. Außerdem würden rund 800 Ärzte im Land angesprochen, die aktuell nicht in ihrem Beruf arbeiten. Ein Hospitationsprogramm soll solche Mediziner wieder an die ambulante Versorgung heranführen.

Viel Hoffnung setzt die KV auch auf den Einsatz nicht-ärztlicher Praxisassistentinnen, die die Ärzte entlasten sollen. Allein dafür stehen 16 Millionen Euro zur Förderung bereit. Vorstellbar sei auch eine Ausweitung der telemedizinischen Betreuung, die ab April in Stuttgart und Tuttlingen erprobt wird.

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