Interview Martin Litsch (AOK-Bundesverband)

Litsch: Honorar für Versandapotheken kürzen Lothar Klein, 11.01.2017 10:08 Uhr

Berlin - Weil die Versandapotheken im Vergleich zu Vor-Ort-Apotheken nur eine weniger umfangreiche Beratungsleistung erbringen, schlägt der AOK-Bundesverband eine Kürzung des Honorars für Versender vor: „Die Versandapotheken könnten auch 8,35 Euro minus 1,77 Euro pro Rx-Packung als Logistikpauschale erhalten, aber weniger als 3 Prozent Zuschlag zum Apothekeneinkaufspreis“, sagte Martin Litsch, Chef des AOK-Bundesverbandes im Interview mit APOTHEKE ADHOC.

ADHOC: Als Reaktion auf das EuGH-Urteil haben Sie das Rx-Versandverbot als „Schutzzaun“ um die Vor-Ort-Apotheken abgelehnt. Anderseits könne der Versandhandel aber nur eine Ergänzung zum Apothekensystem darstellen. Was gilt nun: Wie viel und was sind dem AOK-System die 20.000 Apotheken in Deutschland wert?
LITSCH: Wir als AOK legen selbst großen Wert darauf, für unsere Versicherten vor Ort erreichbar zu sein. Das Prinzip der lokalen Versorgung gilt natürlich auch für Ärzte und Apotheken. Daher sind uns die Apotheken vor Ort sehr wichtig, sie spielen für die AOK bei der Arzneimittelversorgung sozusagen die allererste Geige. Und es herrscht in Deutschland ja kein Mangel an Apotheken, auch in der Fläche müssen wir uns derzeit keine Sorgen um die Arzneimittelversorgung machen. So wie die AOK mit allen Kräften dabei ist, ihre Versicherten auf einer Vielzahl von modernen Kommunikationskanälen anzusprechen, via Mail, Chat, Video, müssen auch die Apotheken den Zugang zu ihren Kunden erweitern. Dabei ist der Versandhandel eine Option. Das stellt die qualifizierte Beratung durch die Apotheke vor Ort nicht in Frage. ADHOC: Das sehen die Apotheken aber völlig anders.
LITSCH: Die Apotheken brauchen eine offenere Einstellung zum Wandel in der Gesellschaft. Der Versandhandel ist Realität und ich glaube, dass man ihn nach all den Jahren nicht wieder verbieten kann. Aber es müssen gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen, egal ob jemand aus Holland oder Deutschland ein Arzneimittel liefert oder in seiner Apotheke abgibt. Es müssen gleiche Spielregeln gelten. Und: Rabatte gehören in der Solidargemeinschaft der GKV, die auch die Arzneimittel zahlt. ADHOC: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will stattdessen den Rx-Versandhandel verbieten.
LITSCH: Ein Verbot des Versandhandels passt einfach nicht in unsere Zeit. Minister Gröhe selbst will die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben. Da kann man doch gleichzeitig kein Verbot der elektronischen Bestellung beschließen. Ich wundere mich schon, wie rasch der Minister an dieser Stelle die Position der ABDA übernommen hat. Ein Rx-Verbot würde außerdem rechtlich keinen Bestand haben.

APOTHEKE ADHOC Debatte