Mehr als 6 km bis zur Apotheke

Hubmann: Kassen ignorieren Apothekensterben

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Berlin -

Knapp 5 Prozent der Menschen in Deutschland leben in einer mit Arzneimitteln schwach versorgten Region, warnt die Abda. Eine Studie zeigt, dass mehr als 4 Millionen Bürger:innen einen mehr als sechs Kilometer langen Weg bis zur nächsten Apotheke auf sich nehmen müssen.

Die steigende Zahl der Apothekenschließungen führt dazu, dass immer mehr Menschen weitere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen müssen – im Zeitraum von 2018 bis 2023 betraf dies bereits mehr als zwei Millionen Menschen. Knapp 500.000 Patientinnen und Patienten mussten sogar erheblich größere Entfernungen in Kauf nehmen. Das zeige, dass sich durch die sinkende Apothekenzahl die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln langfristig verschlechtert.

Die absolute Zahl der vom Apothekenmangel betroffenen Menschen ist mit knapp 900.000 Menschen in Bayern besonders hoch. In Mecklenburg-Vorpommern müssen hingegen knapp 22 Prozent der Bürger:innen weite Wege bis zur nächsten Apotheke auf sich nehmen. Das zeigt die Studie „Untersuchung der Entfernungen zwischen Apotheken und der betroffenen Bevölkerung“, die im Auftrag der Abda durchgeführt wurde – mehr als 4 Millionen Bürger:innen müssen mehr als sechs Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen.

„Die Studienergebnisse zeigen insgesamt eine gute Apothekenversorgung, machen aber auch klare regionale Unterschiede sichtbar“, sagt der DAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann. „In Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen gibt es besonders viele ‚isolierte‘ Apotheken, die die Versorgung einer ganzen Region allein stemmen müssen.„ Für Hubmann ist damit klar, dass in ländlichen Räumen einzelne Standorte oft systemrelevant sind, weil sie eine Alleinversorgungsfunktion übernehmen. Würden die Apotheken schließen, müssten die Menschen in den Regionen deutlich längere Wege zurücklegen und die Arzneimittelversorgung würde in der Folge spürbar negativ beeinträchtigt werden.

Stadt und Land betroffen

In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gebe es kaum „isolierte“ Apotheken. Aber die Städte weisen eine geringe Apothekendichte auf. In Bremen ist die Apothekendichte im Vergleich mit 17 Apotheken je 100.000 Einwohner:innen am geringsten, in der Hauptstadt sind es 18 Betriebsstätten und im bundesweiten Durchschnitt 20. „In Städten müssen die verbliebenen Apotheken deutlich mehr Patientinnen und Patienten versorgen“, so Hubmann. Das Fazit: „Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt zieht jede Apothekenschließung eine Versorgungsbeeinträchtigung nach sich – entweder durch weitere Wege im ländlichen Bereich oder durch massive Überbelastung der verbliebenen Apotheken im städtischen Bereich.“

„Manche Krankenkassen ignorieren das seit Jahren anhaltende Apothekensterben – und rechnen vor, dass die Menschen im Durchschnitt nur wenige Kilometer oder Minuten einplanen müssen, um zur nächsten Apotheke zu gelangen“, so Hubmann. Doch die Kassen würden weder die tatsächliche Erreichbarkeit mithilfe von Auto oder öffentlichem Nahverkehr noch die so genannten Solitärapotheken beachten, bei deren Schließung sich die Versorgung für die betroffene Bevölkerung vor Ort drastischer als im bundesweiten Mittel verschlechtern würde.

Die Zahl der Apotheken war bundesweit zuletzt auf 16.541 gesunken (Stand 31. März 2026). In den vergangenen 13 Jahren sind rund 20 Prozent aller Standorte weggefallen. Damit ist klar, dass „die Vergütung der Apotheken endlich und dauerhaft an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung gekoppelt werden muss“, wenn die Versorgung der Menschen in Wohnortnähe erhalten bleiben soll.

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