Gastkommentar

Die Digitalisierung und ihre Gewinner APOTHEKE ADHOC, 12.04.2019 10:39 Uhr

Berlin - Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran. Es gibt jede Menge neuer Abkürzungen, die fast alle ein „e“ vorangestellt haben: ePA für elektronische Patientenakte, eMP für elektronischen Medikationsplan bis hin zum eRezept, dem elektronischen Rezept. Ginge es nach Jens Spahn müsste möglichst alles digitalisiert werden, möglichst schnell und natürlich alles im Interesse des Patienten. Wer aber sind die wirklichen Gewinner dieser Digitalisierung? Apotheker Dr. Franz Stadler hat Zweifel an dieser angeblichen Modernisierung.

Um es klar vorweg zu sagen: Digitalisierung an sich ist nichts Schlechtes. Sie ist aber auch kein Allheilmittel. Allein schon aus diesem Grund ist es angebracht, die gerade ablaufende Entwicklung im Gesundheitssystem mit einem Schuss Skepsis zu beobachten: zu Vieles soll in zu kurzer Zeit umgesetzt werden und dass obwohl sehr viele Akteure und noch viel mehr Patienten beteiligt und betroffen sein werden. Glaubt man den Vorträgen zum Thema, die in letzter Zeit immer häufiger zu hören sind, so steht der Patient im Mittelpunkt aller Bestrebungen.

Fangen wir also mit ihm an. Was hat der Patient von der Digitalisierung? Unbestreitbar können bei optimaler Nutzung der neuen Systeme sinnlose Doppel-/Mehrfachuntersuchungen oder unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen bei den verordneten Medikamenten vermieden werden. Jede Apotheke kann über die ePA die gesamte aktuelle Medikation des Kunden einsehen und gegenprüfen. Neben der direkten Verbesserung seiner Arzneimitteltherapie profitiert der Patient bei einem fachgerechten Einsatz auch indirekt durch die dadurch zweifelsohne gesparten Kosten, was letztlich über den Beitragssatz allen Beitragszahlern im Gesundheitssystem zu Gute kommen sollte.

Wer profitiert noch? Durch die Vielzahl der gespeicherten Daten wird die Versorgungsforschung einen ungeahnten Aufschwung nehmen. Es wird noch mehr Statistiken, noch mehr Daten und sehr wahrscheinlich auch noch mehr Bürokratie geben. Die Verwaltungsapparate so mancher Krankenkassen werden wachsen und die Leistungserbringer in ein immer starreres Korsett gezwungen – nicht immer zum Vorteil der Versicherten. Verwaltungsbeamte und ihre Statistiken können erfahrene Therapeuten nicht ersetzen. Hinzu kommt: Alles muss irgendwann eingegeben und erfasst werden, eine Dienstleistung, die Apotheken oft ohne jede Gegenleistung erbringen, die aber an ihren Ressourcen zehrt.

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