Digitalkonferenz

Big Data und der gläserne Mensch: Wie kann man Datenströme regulieren? APOTHEKE ADHOC, 16.03.2019 08:37 Uhr

Berlin - Steuern wir auf den gläsernen Menschen zu? Mittlerweile werden wir nicht mehr nur im Internet auf Schritt und Tritt nachverfolgt. Immer mehr Menschen beginnen, ihre Gesundheitsdaten zu tracken, unsere Einkäufe und bald auch unsere Arzneimittelverordnungen und Krankschreibungen sind digital. Kaum vorstellbare Massen an Daten werden täglich gesammelt, analysiert und verwertet. Das revolutioniert unsere Art zu kommunizieren und zu wirtschaften. Bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC erklärt Professor Dr. Viktor Mayer-Schönberger, wie Big Data unser Leben revolutioniert und wie man die eigene Datenmacht nutzen kann.

„Wie wäre es, wenn in unserem Land mit Hilfe von Technik und Algorithmen jeder Mensch zu lesen wäre, wie ein offenes Buch?“, fragt das Bundesjustizministerium. Am Mittwoch wurde im Haus von Ministerin Katharina Barley die Ausstellung „Open Codes. Leben in digitalen Welten“ samt Podiumsdiskussion eröffnet und zeigt einmal mehr: Big Data ist kein Thema mehr, für das sich nur Nerds interessieren, sondern ist an der Spitze des politischen Systems angekommen.

Denn die gesellschaftlichen Debatten von Uploadfilter über DSGVO bis hin zu Pflegerobotern und Social Scoring zeigen: Es herrscht massiver Regulationsbedarf und die Politik ist sich dessen bewusst geworden. Nur kann man mit den regulatorischen Instrumenten des 20. Jahrhunderts die Probleme des 21. effektiv angehen? So wie die Digitalisierung aller Prozesse und die schiere Masse an Daten, die ausgewertet werden, die weltweiten Wirtschaftskreisläufe durcheinander wirbeln, müssen auch neue Ansätze gefunden werden, eine faire wettbewerbsbasierte Marktwirtschaft am Leben zu erhalten.

Denn digitale Märkte neigen nicht nur zur Verdrängung der „analogen“ Geschäftsmodelle, sie neigen auch stark zu Konzentrationsprozessen. Das kann man nicht nur an der Marktmacht von globalen Quasi-Monopolisten wie Google oder Amazon erkennen, sondern auch mit Blick auf die Apothekenbranche und den Arzneimittelmarkt. Eines zeigt sich dabei immer deutlicher: Verbote und Einschränkungen führen nicht weit. Wer sich unter den neuen Regeln von Wirtschaft und Gesellschaft behaupten will, muss lernen, wie der datengetriebene Kapitalismus funktioniert. Wenige wissen das wohl so gut wie Mayer-Schönberger.

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