Bundestag

Apothekerin Gabelmann im Gesundheitsausschuss

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Berlin -

Jetzt ist es amtlich: Apothekerin Sylvia Gabelmann übernimmt als Parlamentsneuling für die Fraktion Die Linke die Position im Gesundheitsausschuss des Bundestages von Kathrin Vogler. Vogler kümmert sich jetzt um Außen- und Verteidigungspolitik. Gabelmann ist die einzige Apothekerin im Bundestag. Ob sie auch das Amt der gesundheitspolitischen Sprecherin von Vogler übernimmt, ist noch nicht entschieden. Diese Position wird erst in zwei Wochen vergeben.

„Die Gesundheitspolitik der Linken wird nun die neu in den Bundestag gewählte Apothekerin Sylvia Gabelmann aus Siegen als Mitglied im Gesundheitsausschuss mitgestalten“, heißt es in einer Mitteilung. Als weitere Mitglieder schickt Die Linke wie bisher Harald Weinberg und Pia Zimmermann in den Gesundheitsausschuss. Neu hinzu kommt Achim Kessler aus Hessen.

Heute wurden vom Bundestag 23 Fachausschüsse eingesetzt. Der Gesundheitsausschuss ist mit 41 Mitgliedern der achtgrößte Ausschuss. Über den Ausschuss-Vorsitz wird erst Ende Januar entschieden. In der vergangenen Wahlperiode wurde der Gesundheitsausschuss vom SPD-Politiker Edgar Franke geleitet.

Vogler vertritt Die Linke im Auswärtigen Ausschuss und als stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss. Damit rückt sie nach eigenen Angaben wieder näher an die Themen heran, für sie sich als überzeugte Pazifistin seit ihrer Jugend engagiert. In den letzten beiden Legislaturperioden engagierte sich Vogler als Mitglied des Gesundheitsausschusses, dessen stellvertretende Vorsitzende sie von 2009-2013 war.

Dabei setzte sie sich als gesundheitspolitische Sprecherin der Linken unter anderem ein für eine gute Gesundheitsversorgung auch im ländlichen Raum ein, für eine solidarische Krankenversicherung, für 100.000 neue Pflegekräfte in den Krankenhäusern, für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Pflegebereich, für sichere und bezahlbare Arzneimittel und für den Erhalt der Präsenzapotheken. In den Bundestag brachte sie einen Antrag für ein Rx-Versandverbot ein. Wie Vogler tritt auch Apothekerin Gabelmann für ein Rx-Versandverbot, die Abschaffung der Rabattverträge und eine grundlegende Neuordnung des Gesundheitssystems ein.

Gabelmann wuchs im Taunuskurort Bad Homburg vor der Höhe auf und begann 1977 eine Lehre als Apothekenhelferin. „Mit dem Gehalt habe ich später mein Pharmaziestudium in Frankfurt finanziert“, so Gabelmann. Nach ihrer Approbation 1987 arbeitete sie zunächst für zwei Monate in einer Krankenhausapotheke in Saudi-Arabien, danach als Chefvertretung und später in Festanstellungen in öffentlichen Apotheken von Frankfurt.

Gabelmann würde das Gesundheitssystem am liebsten auf völlig neue Füße stellen. „Die Rabattverträge würde ich komplett abschaffen und eine Positivliste einführen. Es ist niemanden verständlich zu machen, warum es zum Beispiel ASS von 20 verschiedenen Firmen geben muss.“ Auch den Versandhandel aus dem Ausland mit Rx-Medikamenten will sie verbieten. Bleibe er legal, seien die Folgen dramatisch. „Dann werden vor allem die Apotheken auf dem Land schließen müssen. Die Konkurrenz aus dem Internet ist viel zu groß.“ Der Politik stelle sich nur eine Alternative: „Will ich dem Versandhandel komplett die Macht überlassen oder sehe ich es als staatliche Aufgabe, das Gesundheitswesen zu sichern?“ Ihren Berufsstand rät Gabelmann zu mehr Initiative: „Die gesamte Apothekerschaft hat versucht, nach den Reformen im jeweils neuen Rahmen irgendwie zu funktionieren. Sie hat viel zu wenig Widerstand geleistet.“ Jetzt werde es umso schwerer, die Auswirkungen des Versandhandels abzuwenden.

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