KV Hessen gegen PharmDL

Ärzte verlangen Apothekenhonorar

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Berlin -

Die pharmazeutischen Dienstleistungen in Apotheken erregen überall die Gemüter der Ärzteschaft. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) findet die „Beratung über den Apothekentresen hinweg“ weder datenschutzkonform noch in der Sache zielführend. Am Ende würden die Apotheken die Patient:innen doch wieder in die Praxis zurückschicken. Und das Honorar sei eine „staatlich geförderte Abzocke in Apotheken“.

Die konkretisierten Pläne der längst bekannten Finanzierung pharmazeutischer Dienstleistungen findet die KVH „absolut inakzeptabel“. Die Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke kritisieren: „Nun sollen also Apothekerinnen und Apotheker für Leistungen, für die Ihnen fachlich die Qualifikation fehlt, deutlich besser honoriert werden als die Ärztinnen und Ärzte, die dafür ein jahrelanges Studium zu absolvieren haben.“

KV will Kassen angehen

Das sei „die nächste Aufführung aus dem Tollhaus Gesundheitspolitik“, wettert die KVH-Spitze. „Der Staat fördert mit geradezu grotesk hohen Honoraren ohnehin höchst fragwürdige Leistungen – und das angesichts eklatanter Finanzierungslücken, die für 2023 prognostiziert werden.“ Die Politik setze damit erneut „ein fatales Signal Richtung Ärzteschaft“, gar von einer „Missachtung eines gesamten Berufsstandes“ ist die Rede.

Überhaupt erschließe sich der Sinn dieser Beratungen inhaltlich nicht. „Denn aufgrund der fehlenden Qualifikation der Apotheken kann es ja eigentlich nur so ausgehen, dass die Patienten gerade zu dem Arzt vom Apotheker zurückgeschickt werden, der das Medikament aufgrund seiner vorhandenen Kompetenz vorher verordnet hatte. Mit absehbarem Ergebnis: Vertrauensverlust des Patienten in seine Behandlung und schlimmstenfalls nachhaltige Beschädigung der Compliance“, so Dastych und Starke.

Die KV-Vorstände kritisieren auch die Rolle des GKV-Spitzenverbandes, der ja nicht dafür bekannt sei, Geld zum Fenster hinauszuwerfen. „Es kann also eigentlich nur darum gehen, dass die Kassen durch die Abgabe billiger und gegebenenfalls auch minderwertiger Arzneimittel viel Geld sparen wollen“, mutmaßen die Ärztevertreter. Bei den nächsten Honorarverhandlungen mit den Kassen werde man selbstverständlich genau diese Beratungsleistungen als zusätzliches Honorar für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen einfordern.

Kritik an FFP2-Honorar

Die Apotheken werden dagegen aus Sicht der ärztlichen Kolleg:innen mit Geld überschüttet: „Nun alimentiert der Staat also erneut eine Berufsgruppe höchst großzügig, die bisher nicht durch finanzielle Bedürftigkeit aufgefallen ist.“ Schon bei der Vergütung für die Ausgabe von FFP2-Masken habe „das Wort von den sich dumm und dämlich verdienenden Apothekerinnen und Apothekern die Runde“ gemacht. Die Honorare für die pharmazeutischen Dienstleistungen sind aus Sicht der KV ein erneuter Skandal.

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