Abzocke mit Ansage

, Uhr

Spahns Ministerium, die KVen als Abrechnungsstellen und die Aufsichtsbehörden der Länder schieben sich die Verantwortlichkeit für dieses Vakuum gegenseitig zu. Nun wollen sich Spahn und die Gesundheitsminister der Länder aber wegen des öffentlichen Drucks doch noch ganz schnell der Sache annehmen und die Kontrollen verschärfen. Man kann davon ausgehen, dass mit symbolischer Härte durchgegriffen wird – und dass die Leidtragenden diejenigen sein werden, die den Job ernst nehmen: Schon ist von einer Kürzung der Beträge die Rede; ähnlich ist es bekanntlich bei der Verteilung von FFP2-Masken gelaufen, ohne dass da Korruption im Spiel gewesen wäre. Und bei der Schutzausrüstung streiten sich noch heute Lieferanten mit Spahns Ministerium vor Gericht, weil Rechnungen einfach gar nicht bezahlt wurden.

Für Spahn wird es allmählich eng. Denn es ist es der nächste Fehltritt in einem Jahr Corona-Missmanagement: Keine Schutzausrüstung, kein Impfstoff, keine Tests, keine Impfausweise. Keine Strategie. Und jetzt eben: Keine Kontrolle. Er, der Verantwortung so gerne delegiert, hat die Selbstbedienung durch seine schludrige Politik erst möglich gemacht. Oder ist es mehr als das?

Erstaunlich ist auch, dass Spahn die Sache wieder einmal nicht rechtzeitig antizipiert hat: Während er noch dem Testbus eines Berliner Parteifreunds einen Besuch abstattete, zählten Journalisten – also jene Berufsgruppe, mit der Spahn sich wegen der Berichte über den Kauf seiner Millionenvilla seit einem Jahr selbst vor Gericht streitet – vor einem anderen Testzentrum in NRW die Besucher. Die Zahlen verglichen die Reporter mit denen, die gemeldet worden waren – was überhaupt nur wegen einer Sonderregelung im Land möglich war. Warum hat Spahn eigentlich darauf verzichtet?

Was abermals bleibt, ist das Bild eines bestenfalls überforderten Ministers. Eines Politikers, der aber wohl kaum für solche Pannen wird geradestehen müssen. Fragen und Vorwürfen werden sich diejenigen stellen müssen, die weiter Menschen testen. Und die Kosten kommen auf den Berg obendrauf, vor dem Beitrags- und Steuerzahler im Nachgang der Corona-Krise stehen.

 

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres