KI-Diagnostik-Pionier Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach

Wie Ärzte sich selbst überflüssig machen – zum Wohl der Patienten APOTHEKE ADHOC, 05.02.2020 14:59 Uhr

Berlin - Macht Künstliche Intelligenz (KI) viele Tätigkeiten im Gesundheitswesen bald überflüssig? Ja, sagt Professor Dr. Dr. Torsten Haferlach, aber das ist nicht schlecht, sondern gut. Haferlach arbeitet nämlich selbst mit Hochdruck daran: Er hat die Münchner Leukämielabor GmbH (MLL) gegründet und trainiert an einem gewaltigen Datenschatz eine KI, die jetzt schon korrekte Diagnose stellen kann. Worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen und welche Rolle die KI-Diagnostik in der Gesundheitsversorgung spielen wird, erklärt er bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC, powered by Noventi. Tickets gibt es hier.

562 Publikationen, alle peer-reviewed, in 15 Jahren hat das MLL veröffentlicht. „Das ist mehr als jede Uniklinik“, sagt Haferlach stolz. Und von einer Uniklinik kommt er eigentlich, der LMU München nämlich, einer der renommiertesten Universitäten Europas. Dennoch – oder gerade deshalb? – konnte die universitäre Bürokratie nicht das bereitstellen, was Haferlach für seine Forschung benötigt: Geschwindigkeit und Flexibilität. „Universitäten sind unersetzlich, aber wenn es schnell gehen muss, stoßen ihre Strukturen an ihre Grenzen“, sagt er. So kam es, dass Haferlach sich mit mehreren Mitstreitern 2005 selbstständig machte und das MLL gründete, um dort seine Vision einer KI-basierten hämatologischen Diagnostik zu verwirklichen.

Dort nutzen er und seine Kollegen einen Datenschatz aus über 600.000 Einzelfällen – alle Daten, die seit 2005 im Rahmen der Routinediagnostik erhoben haben: Diagnosen, Befunde, Bilddaten aus der mikroskopischen Diagnostik. An denen trainieren sie ihre KI, die dort Muster erkennen kann, die dem menschlichen Verstand verborgen bleiben würden. Dazu bedienen sie sich sowohl maschinellen Lernens als auch neuronaler Netze.

Über 100 Gigabyte Daten pro Patient werden von den Algorithmen durchleuchtet, um einerseits Leukämieformen zu diagnostizieren und Hinweise auf Therapiemöglichkeiten zu liefern, anderseits um völlig neue Erkenntnisse zutage zu fördern. Ein echter Mensch bräuchte Jahrzehnte, um allein einen einzigen Datensatz zu analysieren. 3 Petabyte an Daten hat das MLL mittlerweile zur Verfügung – das entspricht 3 Millionen Gigabyte. Dadurch, dass KI in Zukunft Ärzten die Diagnose abnehmen kann – davon ist Haferlach überzeugt – werden menschliche Mediziner zwar in einem ihrer zentralen Tätigkeitsfelder beinahe überflüssig – aber eben nur dort, für die Therapie ist das ein Gewinn. „Überflüssig werden wir nicht, sondern wir können uns dann wieder mehr auf den Patienten konzentrieren und uns mit ihm unterhalten, anstatt stundenlang Knochmarksanalysen anzuschauen“, so Haferlach.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Hohe Sterblichkeitsrate bei Senioren

75+: Jede siebte Covid-Infektion ist tödlich»

Lagebericht

RKI: Corona-Fallsterblichkeit aktuell bei deutlich unter 1 Prozent»

Immer mehr Corona-Hotspots

NRW: Zwei Drittel leben im Risikogebiet»
Markt

Warentest zieht Bilanz

Johanniskraut: Besser aus der Apotheke»

Pfennig folgt auf Geiß

Ex-Apobank-Chef führt Aufsichtsrat von Noventi»

Zur Rose mit 43 Prozent Marktanteil

Teleclinic: 6000 Videosprechstunden pro Monat»
Politik

Pandemie

EU-Kommission: Noch Monate bis zur Corona-Impfung»

Digitalisierungsgesetz

eRezept: BtM, Hilfsmittel, Holland-Versender»

OLG verbietet Zugabe

Weingummi beeinflusst unsachgemäß»
Internationales

Pharmakonzerne

Takeda baut in Österreich»

Trotz steigender Infektionszahlen

Trump: „Pandemie ist bald vorbei“»

Obergrenzen für Treffen

Österreich verschärft Anti-Corona-Maßnahmen»
Pharmazie

Desoxycholsäure gegen Subkutanfett

Kybella: Doppelkinn einfach wegspritzen»

Auswirkungen auf die Psyche

Paracetamol: Weniger Angst, mehr Risiko?»

Chemo ja oder nein?

Brustkrebs: Weitere Biomarker-Tests als Kassenleistung»
Panorama

Welttag der Menopause

Wechseljahre: Offene Kommunikation hilfreich»

„Zetteltrick“

Lünen: Diebinnen geben sich als Botendienst aus»

Pilzsaison

Giftnotruf: Weniger Anfragen wegen Pilzen»
Apothekenpraxis

Apothekerverband rudert bei AvP zurück

Hoos: „Erhebliche Zweifel an Aussonderungsrechten“»

adhoc24

Notdienst vor Gericht / Ab sofort Makelverbot / Kaum barrierefreie Praxen»

Inhaber flieht in neue Apotheke

Verpächter verzockt sich»
PTA Live

BtM-Retax

Audi BKK: Ein fehlendes „A“ kann man nicht heilen»

Blasenkatheter ist keine enterale Ernährung

AOK-Retax: „Es handelt sich um einen Fehler auf unserer Seite“»

Lokalanästhetika mit Klümpchenbildung

Rezepturtipp: Polidocanol»
Erkältungs-Tipps

Wenn die Temperatur steigt

Hausmittel bei Fieber: Wann und wie?»

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»

Bronchitis, Pneumonie, Corona

Husten ist nicht gleich Husten»
Magen-Darm & Co.

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»

Hilfe bei Obstipation, Hämorrhoiden & Co.

Ballaststoffe: Essenziell für die Verdauung»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Verwöhnprogramm für die Haut

Pflege hoch zwei: Gesichtsmaske und Peeling»

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»