Welcher Impfstoff für Senioren?

Review: Adjuvanz vs. Hochdosis

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Berlin -

Je älter der Körper, desto schlechter werden die Funktionen des Immunsystems. Infekte können schlechter abgewehrt werden, der Stoffwechsel wird generell langsamer. Diese altersbedingten Effekte zeigen sich auch bei der Impfantwort. Dass der speziell für diese Altersgruppe zugelassene Hochdosis-Impfstoff nicht unbedingt besser ist, zeigten Professor Dr. Tino. Schwarz, Chefarzt am Institut für Labormedizin am Klinikum Würzburg, und Dr. Dietmar Beier, Facharzt der Infektiologie und Mitglied der Sächsischen Impfkommission (Siko), im Rahmen einer Pressekonferenz des Herstellers Seqirus. Wichtig sei das Adjuvanz.

„Wir haben mittlerweile zwei Geburtsjahrgänge ohne Grippewelle erlebt“, erläuterte Schwarz. „Epidemiologisch betrachtet kann dies eine große Gefahrenlage darstellen.“ Umso wichtiger sei es, dass die Impfquoten in der Bevölkerung besser werden. Und gerade in der Gruppe der über 65-Jährigen scheint noch Luft nach oben. Denn es ist genau diese Altersgruppe, die schwer an Influenza erkranken kann. Im höheren Lebensalter endet die Infektion nicht selten mit einer Krankenhauseinweisung.

Wie wirksam ist die Grippeimpfung?

Zur generellen Wirksamkeit der Grippeimpfung könne keine allgemeingültige Aussage gemacht werden, da sind sich beide Referenten einig. Was feststeht: Der Schutz durch die Impfung nimmt mit dem Alter ab. So wird die Schutzrate bei gesunden 18- bis 65-Jährigen mit rund 80 Prozent angegeben. Diese Wirksamkeit wird allerdings nur erreicht, wenn es eine gute Übereinstimmung des Impfstoffes mit den aktuell zirkulierenden Viren gibt. Bei fehlender Übereinstimmung liegt meist eine Wirksamkeit von rund 50 Prozent vor.

Signifikant geringer ist die Wirksamkeit bei älteren Personen. So liegt sie in der Altersgruppe der 65- bis 80-Jährigen bei 50 bis 60 Prozent und bei über 80-Jährigen bei 40 bis 50 Prozent. Besonders gering fällt die Wirksamkeit bei multimorbiden Personen über 65 Jahre aus. Hier spricht Beier von einer Wirksamkeit zwischen 17 und 37 Prozent.

Und: Multimorbidität ist mit einem höheren Risiko Influenza-bedingter Komplikationen verbunden. Die häufigste Komplikation bei Personen mit mehreren chronischen Erkrankungen ist die Pneumonie. Doch auch kardiovaskuläre Risiken wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind möglich. Typ-II-Diabetiker:innen sollten bei einer Influenza-Infektion engmaschiger überwacht werden, denn die Stoffwechselerkrankung kann bei einer Grippe zu schwerwiegenden Influenza-assoziierten Folgen führen.

Eine kürzlich erschienenen Publikation, durchgeführt von einer Gruppe deutscher Expert:innen für Infektionskrankheiten und öffentliche Gesundheit, zeigt, dass adjuvantierte Impfstoffe signifikant effektiver als nicht-adjuvantierte Impfstoffe in Bezug auf die Verringerung grippebedingter klinischer Endpunkte sind. Das systematische Literaturreview verglich dabei die Wirksamkeit eines MF59-adjuvantierten Influenzaimpfstoffes (Fluad) mit einem nicht-adjuvantierten Standard- und sogar dem Hochdosis-Influenzaimpfstoff bei Erwachsenen über 65 Jahre. Die genutzten Daten stammten aus den Grippesaisons 2006/2007 bis 2008/2009 und 2011/2012 bis 2019/2020. Als primärer Endpunkt wurde die relative Impfstoffeffektivität (rVE) definiert. Grundlage waren elf veröffentlichte Analysen aus neun Real-World-Evidence-Studien.

Adjuvanz oder Hochdosis

Die Abnahme der Leistungsfähigkeit des Immunsystems im Alter lässt sich nicht verhindern. Umso wichtiger sei es, Bürger:innen im höheren Lebensalter mit dem passenden Grippeimpfstoff zu immunisieren. Nur so könnten diese Personen einen ausreichenden Impfschutz aufbauen, so die Referenten. „Die Wirksamkeit einer konventionellen, standarddosierten Grippeimpfung bei älteren Menschen kann im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen eben deutlich reduziert sein“, so Beier. Real-World-Daten würden zeigen, dass ein MF59-adjuvantierter Influenza-Impfstoff effektiver ist als herkömmliche Influenza-Standardimpfstoffe und ebenso effektiv wie ein hochdosierter Influenza-Impfstoff.

Beier war an der Publikation beteiligt und zieht folgendes Fazit: „Unser Review deutet darauf hin, dass, auf der Grundlage von Real-World-Evidenz über die Effektivität und Sicherheit, sowohl adjuvantierte als auch hochdosierte Impfstoffe für saisonale Grippeimpfprogramme bei älteren Erwachsenen empfohlen werden sollten. Auf diese Weise können die Gesundheitsversorgung und folglich auch die klinischen Resultate verbessert werden.“ Insgesamt zeigten sieben Analysen, dass adjuvantierte und hochdosierte Impfstoffe in Bezug auf die Verringerung grippebedingter Arztbesuche, stationärer Aufenthalte und Krankenhausaufenthalte vergleichbar sind.

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