Vitaminpräparate

Nierenversagen nach Vitamin-D-Überdosis

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Berlin -

Eine Überdosierung von scheinbar harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln oder Präparaten zur Auffüllung des Vitamin-D-Haushalts kann der Gesundheit schwer schaden. Das zeigen zwei jetzt von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) dokumentierte Fälle.

Eine 78-jährige Patientin und ein 60-jähriger Patient hatten sich im Internet Vitamin-D-haltige Präparate besorgt und davon täglich viel zu hohe Dosen eingenommen. Beide entwickelten ein akutes Nierenversagen bei einer ausgeprägten Störung des Calcium- und Phosphathaushalts mit erhöhtem Calcium-Spiegel (Hyperkalzämie). Andere mögliche Ursachen wie eine Tumorerkrankung, ein primärer Hyperparathyreoidismus oder Sarkoidose konnten ausgeschlossen werden. Der Zustand der weiblichen Patientin besserte sich unter forcierter diuretischer Therapie und peroraler Kortisongabe. Der 60-Jährige dagegen entwickelte schwere Komplikationen und musste an die Dialyse.

Vitamin D hält den physiologischen Kalziumspiegel im Serum aufrecht. Damit trägt es zur Knochengesundheit bei. Ein Vitamin-D-Mangel kann bei Erwachsenen zu Osteoporose und Osteomalazie führen. Bei UV-Bestrahlung werden in der Haut Vorstufen gebildet, aus denen über Zwischenschritte in Leber und Niere das eigentlich wirksame Calcitriol gebildet wird. Wenn die endogene Produktion etwa wegen mangelnder UV-Bestrahlung nicht ausreicht, können Cholecalciferol (Vitamin D3) oder Ergocalciferol (Vitamin D“) oral eingenommen werden. Eine Dosierung von 800 IE/d reicht in der Regel aus.

Wenn höhere Dosierungen von Vitamin D erforderlich sind, ist eine ärztliche Aufsicht unter regelmäßiger Kontrolle des Vitamin-D-Status erforderlich. Für die tägliche Aufnahme wurde von der Europäischen Lebensmittelbehörde eine sichere Obergrenze von 100 µg/d (4000 IE/d) für Heranwachsende und Erwachsene festgelegt. Die weibliche Patientin hatte eine Vitamin-D3-Tagesdosis von 10.000 IE/d eingenommen, der Mann sogar eine Vitamin-D-Dosis von 50.000 IE/d.

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