Nebenwirkungen: Die Gene sind schuld

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Berlin -

Wirkung und Nebenwirkung eines Arzneimittels können von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein, obwohl sie vergleichbare Plasmakonzentrationen haben. Wie lässt sich das erklären? Ein Blick in die Pharmakogenetik gibt Aufschluss darüber, wie Effekte von applizierten Medikamenten von der Enzymausstattung gesteuert werden.

Individuelle Unterschiede in Resorption und Arzneimittelmetabolismus bei Patienten sind der Wissenschaft schon seit mehr als 100 Jahren bekannt. Die Pharmakogenetik hingegen ist ein vergleichsweise relativ junges Forschungsgebiet, dem zunehmend immer mehr Beachtung geschenkt wird. Der deutsch-amerikanische Genetiker Dr. Arno Motulsky hat im Jahre 1957 erstmals darauf hingewiesen, dass bestimmte Nebenwirkungen durch genetisch bedingte Unterschiede in der Aktivität von Arzneimittel-metabolisierenden Leberenzyme hervorgerufen werden können. Zwei Jahre danach hat der deutsche Genetiker Dr. Friedrich Vogel die Abhängigkeit zwischen genetischer Information und Arzneimitteltherapie beschrieben.

Zuvor waren war der Begriff „Gene“ während des Nationalsozialismus negativ behaftet, da mit pseudowissenschaftlichen Erklärungen eine Rassenhygiene begründet wurde. Vogel orientierte sich hingegen vorwiegend an der angelsächsischen Humangenetik und war um eine ideologiefreie Wissenschaft bestrebt. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Humangenetik nach dem Zweiten Weltkrieg wieder internationales Ansehen gewann. Beide Forscher zählen zu den Begründern des Fachgebietes; sie erhielten 2003 die Ehrenmedaille der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH).

Was bedeutet überhaupt Pharmakogenetik? Dieses Fachgebiet untersucht, inwieweit Polymorphismen oder seltene genetische Varianten, die die pharmakokinetischen und -dynamischen Prozesse eines Arzneimittels kontrollieren, für die interindividuellen Unterschiede in der Wirkung und dem Auftreten von Nebenwirkungen verantwortlich sind. Ein genetischer Polymorphismus manifestiert sich als ein monogen vererbtes Merkmal, das in der Bevölkerung in mindestens zwei Phäno- beziehungsweise Genotypen auftritt und dessen Allelhäufigkeit bei mehr als einem Prozent vorkommt.

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