Opioid-Abhängigkeit

Naloxon-Nasenspray: Experten hoffen auf weniger Drogentote dpa/APOTHEKE ADHOC, 20.06.2018 11:41 Uhr

Berlin - Jeweils mehr als 1000 Menschen sind allein in den vergangenen fünf Jahren bundesweit an Drogen gestorben. Dabei gibt es für den häufigen Fall einer Opioid-Überdosis ein lebensrettendes Medikament. Nur hat es kaum jemand bei sich. Könnte das bald anders werden?

Die Pupillen sind verengt, die Atmung geht langsam und unregelmäßig. Ein Klaps auf den Arm, ein lautes „Hallo“ – keine Reaktion. Wenn Menschen in Deutschland an einer Überdosis sterben, sind meist Opioide im Spiel: zum Beispiel Heroin, Oxycodon, Tilidin oder Fentanyl. Stoffe, die etwa Schmerzen stillen und Ängste lösen, aber auch zum Atemstillstand führen können. Mehr als 700 Menschen starben 2017 bundesweit aus diesem Grund. Dabei gibt es schon lange ein Medikament, das bei Opioid-Überdosen die Rettung sein kann. Nur kommt es bislang selten zum Einsatz.

Doch vor dem Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch am 26. Juni zeigt sich die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) ebenso optimistisch wie Suchtexperten, dass sich das bald ändern könnte. Anlass ist, dass das Notfallmedikament Naloxon in Deutschland bald in Form eines Nasensprays auf den Markt kommen soll – die Deutsche Aids-Hilfe rechnet damit noch in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr erhielt Nyxoid (Mundipharma) eine positive Stellungnahme von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Das Arzneimittel zur intranasalen Anwendung wurde in diesem Jahr zugelassen und enthält 1,8 mg Naloxon in Einzeldosisbehältnissen.

Die empfohlene Dosierung beträgt einen Sprühstoß in ein Nasenloch unmittelbar bei Verdacht einer Opioid-Überdosierung und während auf den Notfalldienst gewartet wird. Falls die erste Dosis keine Wirkung zeigt, sollte nach zwei bis drei Minuten eine zweite Dosis in das andere Nasenloch verabreicht werden. „Durch die einfache Gabe als Nasenspray wird die Hemmschwelle, zu helfen, sicherlich niedriger sein“, erklärt Mortler. Hierzu laufe im September in mehreren Städten Bayerns ein Modellprojekt an. Ohne den Ergebnissen vorgreifen zu wollen, setze sie „große Hoffnungen in Naloxon als Nasenspray, um Leben zu retten und so die Zahl der Drogentoten weiter zu reduzieren“.

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