Nach Impfung

Kind fällt von Liege – Impfschaden? Deniz Cicek-Görkem, 25.05.2018 11:25 Uhr

Berlin - Obwohl der Nutzen von Impfstoffen das potenzielle Risiko überwiegt, kann die Immunisierung in sehr seltenen Fällen lebenslängliche Folgen für die Betroffenen haben. Immer wieder beschäftigen sich deshalb auch Gerichte mit dem Thema und entscheiden im Einzelfall, ob tatsächlich ein Impfschaden vorliegt oder nicht. Zwei aktuelle Fälle bei der vierten Kammer am Sozialgericht (SG) Koblenz zeigen, dass das entscheidende Kriterium für die Anerkennung der Schäden allein die hohe Wahrscheinlichkeit einer Kausalität ist.

Die Koblenzer Richter beschäftigten sich vor kurzem mit der Klage einer im Jahr 1997 geborene jungen Frau, die im Jahr 2009 durch ihren behandelnden Arzt mit Pandemrix (GSK) geimpft wurde. Der Impfstoff wurde damals im Rahmen einer Impfkampagne gegen Schweinegrippe (H1N1-Virus) verabreicht. Nach rund fünf Jahren wurde die damals 15-Jährige stationär aufgenommen, Ärzte diagnostizierten Narkolepsie (Schlafkrankheit) ohne Kataplexie (Tonusverlust ohne Bewusstseinstrübung). Sie beantragte kurze Zeit später die Gewährung von Versorgungsleistungen für Impfgeschädigte gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). Sie führte vor Gericht an, dass sie fünf bis sechs Monate nach der Impfung immer wieder mit einer exzessive Tagesschläfrigkeit zu kämpfen hatte, wobei auch die schulischen Leistungen darunter gelitten hätten. Ihrer Ansicht nach ist die Krankheit eine Folge der Impfung und auch ein ärztlicher Gutachter bestätigte dies später.

Sie erklärte gegenüber den Richtern, dass es innerhalb der Inkubationszeit zu unüblichen Impfreaktionen gekommen sei. Die Klägerin legte Publikationen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) aus dem Jahr 2012 und 2014 vor, die eine Spannweite von bis zu 778 beziehungsweise 1127 Tagen des Auftretens der ersten Symptome aufzeigte. Das Auftreten der ersten Symptome nach etwa fünf bis sechs Monate liege daher im kausalen Zeitfenster, so ihre Begründung. Und auch der Sachverständige habe angegeben, dass dieser Zeitraum nicht ungewöhnlich sei. So sahen es auch die Richter, die diese und eine weitere Studien des PEI als Beweis akzeptierten. Sie erkannten deshalb die Narkolepsie als Impfschaden an und sprachen der Klägerin eine Gewährung von Versorgung nach Bundesversorgungsgesetz (BVG) zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Richter argumentierten damit, dass zur Anerkennung des Gesundheitsschadens im Folge der Impfung die Wahrscheinlichkeit des ursächlichen Zusammenhangs genüge. Die generelle Ursache der Narkolepsie sei zwar medizinisch ungeklärt, doch in solchen Fällen könne mit Zustimmung der für die Kriegsopferversorgung zuständigen obersten Landesbehörde der Impfschaden anerkannt werden. „Vorliegend kommen jedoch zu Gunsten der Klägerin die Grundsätze der Kannversorgung zur Anwendung“, so die Richter. Grund dafür sei das Vorliegen medizinisch ausreichender Erkenntnisse. Der Klägerin wurde ein Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von 60 Prozent bescheinigt.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Vakzine gegen Sars-CoV-2

AstraZeneca: EU sichert sich 300 Millionen Dosen Impfstoff»

Corona-Schutzmaßnahmen

Philippinen: Maske plus Visier wird Pflicht»

Studie in Kupferzell

Hohe Dunkelziffer, kaum Antikörper»
Markt

Börsengang

Curevac: Hopp behält die Kontrolle»

Patentstreit

Alimta-Generika: Alles muss zurück»

Gericht verbietet Werbeaussagen

DocMorris: Hilft nicht in jeder Lebenslage»
Politik

Novel-Food-Anträge gestoppt – Hersteller zittern

EU will CBD als Betäubungsmittel einstufen»

Werbung für Fernbehandlung

Grundsatzstreit um Telemedizin»

Statistisches Bundesamt

143.000 Menschen ohne Krankenversicherung»
Internationales

„Gebräu von Kräutern und Wurzeln“

Südkorea: Ärzte streiken gegen Traditionsmedizin»

Notbevorratung durch Unternehmen und Regierung

Brexit: UK bunkert Arzneimittel für den Ernstfall»

Kooperation

GlaxoSmithKline steigt bei Curevac ein»
Pharmazie

Spinale Muskelatrophie

Evrysdi: Erste orale Therapieoption bei SMA»

Vereinfachung der Applikation

Xolair: Selbstverabreichung bald in allen Indikationen?»

Hohe Sensitivität und Spezifität

KI soll Darmkrebs diagnostizieren»
Panorama

Angst vor Corona-Komplikationen

Jeder Zweite will plötzlich Grippeimpfung»

Missbrauch der Medizin

Antisemitismusbeauftragter: Ärzte sollen mehr über NS-Zeit lernen»

Staatsanwaltschaft fordert Sicherungsverwahrung

PTA-Mörder soll den Rest seines Lebens hinter Gitter»
Apothekenpraxis

Abgaberegeln

AOK-Dank verunsichert Apotheker»

Apotheke verliert vor Gericht

Filialverbünde: Wieder Streit um Notdienste»

Geringe Impfbereitschaft bei PTA

Apothekenteams: Angst vor der 2. Welle»
PTA Live

Keine Sicherungsverwahrung

Göttingen: Lebenslänglich für PTA-Mörder»

Apotheken gegen häusliche Gewalt

„Maske 19“: Codewort am HV soll bundesweit helfen»

Apothekenpflichtige Fertigarzneimittel

Blutegel in der Dokumentation»
Erkältungs-Tipps

OP-Maske, FFP und KN95

Wie schützt eine Mund-Nasen-Bedeckung vor Infekten?»

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»
Magen-Darm & Co.

Haferschleim, Zwieback & Banane

Schonkost: Leicht verdaulich & gut verträglich»

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Nach der Geburt

10 Tipps für die Rückbildung»

Aktivität

Laufen in der Schwangerschaft»

Ernährung, Sport und Vitamine

Schwanger zu werden, ist nicht nur Frauensache»
Medizinisches Cannabis

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»
HAUTsache gesund und schön

Tipps gegen Haarausfall

Alopezie: Wenn das Haarkleid schwindet»

Ein besonderer Bereich des Gesichts 

Augenpflege: Sanft und feuchtigkeitsspendend»

Gefahren bei falscher Pflege

Wimpern und Augenbrauen: Schützende Sensibelchen»