Antibiotika

Brilique: Die Lösung gegen MRSA?

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Berlin -

Im Fachjournal „Jama Cardiology“ wurden Ergebnisse veröffentlicht, die darauf hinweisen, dass der Wirkstoff Ticagrelor (Brilique, Astra Zeneca) eine bakterizide Wirkung gegen antibiotikaresistente Bakterien wie MRSA aufweist. Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen.

Ticagrelor ist in Kombination mit Acetylsalicylsäure für erwachsene Patienten zugelassen, die einen Herzinfarkt hatten oder unter einer instabilen Angina pectoris leiden. Der Wirkstoff reguliert die Thrombozytenaggregation, indem er antagonistisch am Rezeptor P2Y12 der Thrombozyten angreift.

Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass der Wirkstoff außerdem bakterizide Eigenschaften aufweist. Diese scheinen jedoch nicht in Zusammenhang mit der gerinnungshemmenden Wirkung zu stehen. Bei anderen Antikoagulantien wie Clopidogrel oder Prasugrel wurde diese Eigenschaft nämlich nicht beobachtet. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um einen neuartigen Mechanismus handelt.

Da sich der antibakterielle Wirkmechanismus von der gerinnungshemmenden Wirkung zu unterscheiden scheint, lässt sich womöglich eine ganze Reihe neuer Antibiotika ableiten, die keine thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufweisen. Diese könnten gegen multiresistente Staphylokokken oder Enterokokken eingesetzt werden. Die neuen Erkenntnisse könnten die Tür zu einer neuen Klasse von Antibiotika öffnen, die aufgrund vermehrter Resistenzen dringend benötigt wird.

Die beteiligten Wissenschaftler legen weitere Untersuchungen und randomisierte klinische Studien nahe, um die Wirksamkeit von Ticagrelor mit der von anderen Thrombozytenaggregationshemmern gegen grampositive Bakterien bei kardiovaskulären Erkrankungen zu vergleichen. Ticagrelor könnte aufgrund seiner Zweifachwirkung bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen anderen Wirkstoffen überlegen sein. Dies gilt insbesondere für Patienten, bei denen das Risiko für grampositive bakterielle Infektionen wie einer Endokarditis besteht.

Der Wirkstoff könnte auch bei Herzschrittmachern zum Einsatz kommen: Die Forscher weisen darauf hin, dass Ticagrelor in Polymerbeschichtungen von implantierten Herzgeräten verwendet werden könnte, um das Infektionsrisiko zu senken. Die Studien wurden durchgeführt, nachdem festgestellt wurde, dass bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom und Lungeninfektionen, die auf der Intensivstation behandelt wurden, das Überleben mit Ticagrelor wahrscheinlicher war als mit einem anderen Thrombozytenaggregationshemmer.

Der Beitrag berichtet über Ergebnisse einer Post-hoc-Analyse der Plato-Studie: Teilnehmer waren Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Das Risiko für infektionsbedingte Todesfälle war bei Patienten, die mit Ticagrelor behandelt wurden, geringer als bei solchen, die mit Clopidogrel erhielten. In der Xanthippe-Studie wurde bereits über ähnliche Wirkungen berichtet: Die Anwendung von Ticagrelor hatte zu einer verbesserten Lungenfunktion bei Patienten geführt, die an einer Lungenentzündung erkrankt waren.

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