Google-Rezension

Wegen Anti-AfD-Videos: Falsche Apotheken abgestraft

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Berlin -

Mit ihrer Kritik an der AfD hat eine Apothekerin aus Bielefeld in ein Wespennest gestochen. Die Aussage, AfD-Anhängerinnen und -Anhänger sollten besser zur Konkurrenz gehen, ging viral und bescherte ihr herbe Beschimpfungen und Bedrohungen. Die Hetze richtet sich auch gegen Kollegen: Jakob Köhler betreibt in Bielefeld zwei Apotheken und musste plötzlich auch Dutzende schlechte Bewertungen einstecken. Der 28 Jahre alte Inhaber wehrt sich.

Köhler ist seit anderthalb Jahren selbstständig. Der 28-Jährige führt zwei Pluspunkt-Apotheken in Bielefeld. Die beiden Betriebe liegen jeweils rund vier Kilometer von der Panda-Apotheke an der Radrennbahn entfernt und haben mit dem Betrieb nichts zu tun. Die Inhaberin kennt er nicht.

Hass-Kommentare treffen Mitbewerber

Dennoch ist Köhler von den Auswirkungen der politischen Botschaft seiner Mitbewerberin betroffen. Die Inhaberin teilte vor wenigen Tagen per Social Media mit, dass AfD-Sympathisantinnen und -Sympathisanten ihre Apotheke meiden und zur Konkurrenz gehen sollten. Auch wenn sie wie alle anderen Kundinnen und Kunden pharmazeutisch versorgt würden, seien sie nicht willkommen.

Die Aussagen gingen in sozialen Netzwerken viral und lösten einen herben Shitstorm aus. Für die Apothekerin hagelte es nicht nur schlechte Bewertungen bei Google, sie wird seitdem auch bedroht. Die Kriminalpolizei und der Staatsschutz sind involviert. Über Plattformen wie X forderten Nutzerinnen und Nutzer andere dazu auf, ebenso schlechte Kommentare zu hinterlassen. Die Apothekerin bekam in den Kommentarspalten auch Rückenwind. Menschen lobten ihr Rückgrat und ihren Mut.

Guter Bewertungsschnitt zerstört

Auch Köhler bekam den Hass zu spüren. „Aufgrund des Vorfalls von Frau Kutter aus Bielefeld und ihres Instagram-Videos, das auf vielen Plattformen viral gegangen ist, und woraufhin ihr Google-Firmenprofil entfernt wurde, haben meine beiden Apotheken jeweils mehr als 30 Ein-Sterne-Bewertungen erhalten“, sagt er. Geschrieben wurde ihm zufolge etwa, dass man in seiner Apotheke diskriminiert werde oder es sich um Faschisten handele. Eine Rezension kritisierte namentlich die „unfreundliche“ Inhaberin der Panda-Apotheke. Damit sei der Bewertungsschnitt zerstört – denn Ein-Sterne-Bewertungen würden stärker gewertet als Fünf-Sterne-Bewertungen.

Der Apotheker stellte daraufhin fest, dass der Google-Firmenauftritt der Panda-Apotheke entfernt worden war und stattdessen seine Apotheke angezeigt wurde. „Den Leuten ist das in dem Moment egal, wen sie treffen, sie sehen das nicht.“

Inhaber fordert Löschung

Der Inhaber wehrte sich. Er meldete die Bewertungen als Spam und forderte den Internetkonzern über den Support gleichzeitig auf, die Rezensionen zu entfernen. „Mittlerweile konnte ich alle Bewertungen der letzten beiden Tage als ‚Koordinierten Bewertungsangriff‘ melden und löschen lassen.“ Die Sache hat jedoch Folgen: „Es ist ein Schlag für meine Reputation“, sagt er. Zudem sei der Zeitpunkt ungünstig, denn erst vor anderthalb Jahren machte er sich selbstständig.

Köhler ist nicht der Einzige, der nach dem Vorfall schlechte Bewertungen und Hass-Kommentare erhält. Auch der britische Anbieter Panda Healthcare wurde Ziel von negativen Bewertungen aus Deutschland.

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