„Vielleicht rettet das Nasenspray eine Ehe“

Apotheker stemmt zwei Tage Notdienst hintereinander

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Berlin -

Inhaberinnen und Inhaber von mehreren Apotheken stehen bei der Notdiensteinteilung vor einer Herausforderung, denn oft bleiben die Dienste an ihnen selbst hängen. Gerrit Nattler sprang gerade ein, weil es wegen Urlauben zu Überlappungen kam und absolvierte einen Doppeldienst. Nach 48 Stunden in der Offizin betont der Apotheker die besondere Stellung des Apothekennotdienstes – trotz mancher Diskussionen am Schalter.

Nattler führt vier Apotheken in Gelsenkirchen und Dorsten. Am Sonntag war seine Filiale Elisana-Apotheke Gelsenkirchen-Buer zum Notdienst eingeteilt, am Montag die Hauptapotheke Elisana-Apotheke Gelsenkirchen-Hassel. „Der Grund, dass ich beide Dienste übernehmen musste, liegt darin, dass an diesem Wochenende einige Urlaube der anderen Approbierten überlappten. Die einen kamen erst Sonntag wieder, die anderen waren Sonntag schon weg“, sagt er. Das sei eben „Berufsrisiko“.

Inhaber arbeitet durch

Am Dienstag ging es nach zwei Besprechungen um 14.30 Uhr weiter mit der Arbeit in der Apotheke. Doch jammern will er nicht: „Es ist anstrengend, aber alles ok, auch kein Drama, da ja auch planbar.“ Generell sei der Notdienst wichtig. „Ich gehöre nicht zu denen, die sich darüber ärgern, wenn nachts jemand mit einer vermeintlichen Bagatelle kommt“, sagt er.

Denn man wisse nie, welche Geschichte dahinterstecke: „Vielleicht rettet das Nasenspray gerade eine Ehe, weil endlich wieder jemand schlafen kann. Vielleicht macht einen der Gedanke an eine mögliche ungewollte Schwangerschaft so verrückt, dass das Warten auf einen Test bis zum nächsten Morgen einfach keine Option ist.“

Apotheker verteidigt Anfragen im Notdienst

Auch wenn es sich in solchen Fällen vielleicht nicht um einen „Notfall“ im klassischen Sinn handele, sei die Apotheke genau dafür auch da. „Und wenn dann noch über die 2,50 Euro Notdienstzuschlag gemeckert wird: geschenkt.“

In den beiden Nächten sei jedoch auffällig gewesen, dass bei einigen Kundinnen und Kunden eine große Unruhe und Hektik herrschte. Etwa wenn noch jemand vorher in der Reihe dran war, etwas erklärt werden musste oder er mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt in der Notfallpraxis Rücksprache halten musste. Dies sei nicht zielführend: „Gerade nachts ist der völlig falsche Moment für Hast und Wirbel. Denn auch um 2 oder 3 Uhr muss ich konzentriert prüfen, ob eine Verordnung passt, ob etwas geklärt werden muss und ob ich das Arzneimittel so abgeben kann.“

Diskussionen an der Klappe

Dazu komme, dass die Müdigkeit die Sache nicht leichter mache. Was nicht erwünscht sei, sei Verhandeln etwa über die Verschreibungspflicht oder über die Wirkung eines Arzneimittels. „Montagnacht ging es dabei tatsächlich um die Pille danach. Die kurze Diskussion über die Wirkungsweise hatte zwischendurch durchaus humoristische Züge“, sagt er. Aber nachts um 3 Uhr, in der zweiten Notdienstnacht, sei der Humor nicht mehr ganz auf Tageshöchststand gewesen.

Das persönliche Highlight des Doppeldienstes sei die Aussage eines Kunden gewesen. „Er kam schon am frühen Sonntagabend und wollte mir schlicht nicht glauben, dass Apotheken tatsächlich rund um die Uhr Notdienst machen.“ Er habe gefragt, warum wir das machen sollten und gesagt, dass sich das doch niemals lohne. „Da hatte er mit einem Teil sogar recht.“ Dass Apotheken dennoch rund um die Uhr verfügbar sein müssen, sei ihm offenbar komplett neu gewesen.

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