Apotheken müssen alle Kundinnen und Kunden versorgen. Das schreibt der Kontrahierungszwang vor. Elisabeth Kutter aus Bielefeld steht hinter der Vorschrift. Doch die Inhaberin der Panda-Apotheke an der Radrennbahn gab unlängst über Social Media eine politische Botschaft ab: Unterstützerinnen und Unterstützer der AfD sollen ihren Betrieb meiden.
Am Sonntag wandte sich Kutter über den Facebook-Account ihrer Apotheke an die Öffentlichkeit. Die Nachricht sei „ein politischer Post“, verkündet die Apothekerin eingangs. „Denn es wird höchste Zeit, dass ich allen Menschen da draußen sage, dass ich an die Menschen, die die AfD wählen oder mit ihnen sympathisieren, in meinem Beruf als Apothekerin – als selbstständige Apothekerin mit meiner Panda-Apotheke an der Radrennbahn in Bielefeld – kein Geld verdienen möchte.“
An jeden, der mit AfD sympathisiert, sie unterstützt, sie wählt, richtet sie folgende Botschaft: „Bitte meide meine Apotheke.“ Auch ihr Team und überhaupt ihr ganzes Umfeld sollten verschont werden. „Ich möchte mit euch nichts zu tun haben, nie wieder. No way.“ Zudem habe sie ihre Apotheke auf der Seite „Wirtschaft widerspricht“ registriert. Die Internetseite, die nach dem Motto „Werte vor Umsatz“ Unternehmen mit „Haltung“ abbilde, listet aktuell knapp 180 Betriebe – darunter eine Apotheke.
„Da könnt ihr nachlesen, dass in meiner Apotheke Platz ist für alle Menschen, egal, wer. Die Menschen die, meine Apotheke betreten, die brauchen nicht blond zu sein und blaue Augen [haben].“ Alle Menschen seien willkommen. „Nur nicht die, die AfD wählen. Die dürfen zur Konkurrenz gehen. Gerne.“
Der Beitrag erhitzt die Gemüter. Vorwürfe zur „Meinungsbeschneidung“ werden laut, Kommentare zum Versorgungsauftrag oder Beleidigungen abgegeben. In einem aktuellen Beitrag stellt die Apothekerin klar, dass sie ihrer Versorgungspflicht nachkomme: „Natürlich werdet ihr bedient, natürlich bekommt ihr auch Medikamente, ihr bekommt den gleichen hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten. Aber mögen tu ich euch trotzdem nicht, ihr seid einfach nicht willkommen.“
Mit ihrem Standpunkt löst Kutter eine Welle der Empörung aus. In einem Facebook-Beitrag wird ihr Statement geteilt, mit der Überschrift: „Die Hetze geht los: Panda Apotheke Radrennbahn Bielefeld möchte keine AfD-Kunden haben.“ Auch im Kollegenkreis versteht man ihr Vorgehen nicht. Wenn sie so viele Kundinnen und Kundinnen nicht mehr wolle, sei sie bald pleite, heißt es.
Doch die Inhaberin nimmt es augenscheinlich gelassen – auch mit Blick auf ihre Google-Bewertung, die schlechter geworden ist. „Wenn diese ganzen Vollpfosten von der AfD meinen, dass mich das schockt, wenn sie mir jetzt einen Punkt oder einen Stern geben, dann haben sie sich geirrt.“ Kutter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.