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Alternativmedizin

Volkshochschulen halten an Homöopathie fest

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Berlin -

Die deutschen Volkshochschulen (VHS) bieten trotz öffentlicher Kritik auch im kommenden Jahr Kurse zu Homöopathie und alternativmedizinischen Behandlungsmethoden an. Das bestätigte der Deutsche Volkshochschul-Verband. Den VHS war unter anderem im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ vorgeworfen worden, „Volksverdummung“ zu betreiben.

Auch in der kommenden Saison können Interessierte an Volkshochschulen wieder Kurse zu Homöopathie, Akupunktur, Aromatherapie oder Osteopathie belegen. Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) hatte beim Dachverband der 16 VHS-Landesverbände angefragt und eine positive Antwort bekommen. „Die Teilnehmenden sollen die Möglichkeit erhalten, sich seriös und differenziert über unterschiedliche, auch neue und alternative Methoden zu informieren, die öffentlich diskutiert werden“, so der größte deutsche Weiterbildungsverband.

Dabei sei es jedoch Voraussetzung, „dass Heilsversprechen unterblieben und wissenschaftliche Kontroversen über die therapeutische Wirksamkeit angemessen dargestellt“ werden. Dann seien „der Gesundheitsbildung an Volkshochschulen keine thematischen Einschränkungen in Bezug auf Informationsangebote zu alternativmedizinischen Verfahren auferlegt”.

Die Volkshochschulen waren im Sommer heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem der „Spiegel“ sich in seiner Titelgeschichte „Hokuspokus – Geld weg!“ mit Alternativmedizin, insbesondere Homöopathie, auseinandergesetzt hatte. In einem Beitrag der Ausgabe wurden speziell die Volkshochschulkurse thematisiert: Professor Dr. Edzart Ernst, einer der bekanntesten Homöopathie-Kritiker, warf den Weiterbildungsanstalten vor, zur „Volksverdummung beizutragen“. Das Kursangebot sei gefährlich, da es der Bevölkerung suggeriere, wissenschaftlich nicht belegbare Methoden wären gleichwertig mit evidenzbasierter Schulmedizin. „Dann werden die Grenzen zwischen Wahrheit und Unwahrheit unscharf. Dann kann jeder Scharlatan seine Meinung auftischen, und sie wird genauso ernst genommen wie die eines Experten“, so Ernst.

Die VHS hatten ihr Kursangebot daraufhin verteidigt, sich aber auch selbstkritisch gezeigt. Die Information der Bevölkerung zu komplementären Ansätzen in der Gesundheitsförderung gehöre zum Bildungsauftrag der VHS, allerdings müssten sich die Teilnehmer darauf verlassen können, dass sie zutreffend und differenziert aufgeklärt werden. „Themen, die in Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, müssen im VHS-Kurs auch kontrovers dargestellt werden.“ Die bundesweiten Qualitätsrichtlinien enthielten deshalb „grundlegende Hinweise zum grundlegende Hinweise zum Verzicht auf die Vermittlung subjektiver Wahrheiten, Heilsversprechen sowie auf jedwede Art der Therapie“.

Der VHS-Verband bedauere deshalb, dass es auch „inakzeptable Verletzungen dieser Seriositätsgrenzen gibt“, so die Stellungnahme. „Wir werden deshalb die Spiegel-Berichterstattung zum Anlass nehmen, im engen Zusammenwirken mit dem Bundesarbeitskreis Gesundheit und mit den Landesverbänden der Volkshochschulen in Deutschland erneut auf noch effizientere Qualitätskontrollen hinzuwirken.“

Nicht nur an Volkshochschulen finden Homöopathie-Kurse viele Kritiker. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg erhält ebenfalls starken Gegenwind für den Kabinettsbeschluss, an der Universität Tübingen einen Lehrstuhl für Komplementärmedizin einzurichten. Kritiker befürchten, dass er der akademischen Aufwertung von Globuli & Co. dienen soll. In Österreich wiederum ging der Trend in diesem Jahr eher in die andere Richtung: Dort hat die Debatte in den letzten Wochen wieder an Fahrt aufgenommen, nachdem die Medizinische Universität Wien die Homöopathie aus den Lehrplänen schmiss und aus den Reihen der Patientenbeauftragten heftige Kritik laut wurde.

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